50 Die Stenographie im 19. Jahrhundert.
Duployan Phonographic Journal«, herausgegeben von Slocm. Großes Aufsehenmachte dessen Brochure »Revolution in Shorthand«. Th. A. Reed, welcherDuployä's System einer Kritik unterzog, rief damit mehrere Gegenschriftenhervor. Eine von Victor Schoetimehl in London gegründete »Societe univer-selle de Stenographie Duploye« hielt 1883 ein Preisschreiben ab und zählte702 eingeschriebene Mitglieder, seine Brüder Carl und Gustav haben ver-schiedene Lehrcurse, selbst in Australien, errichtet.
Aber nicht nur Sloan trat Pitman's Herrschaft in der englischen Steno-graphie entgegen, auch angesehene Männer der eigenen Partei treten nochimmer gegen ihren Meister auf, wie McEwans, der 1888 einen Vortrag hielt,in welchem er die Gebrechen der Pitman'sehen Stenographie darlegte undviele Anhänger Pitman's mit sich zog. Außerdem bekämpft die Oxford-SchulePitman's System.
Wie aus der unten folgenden Litteratur der englischen Stenographiehervorgeht, tauchten neben den verschiedenen stenographischen Systemen,welche sich bestrebten, die Stenographie kürzer oder leichter erlernbar zumachen, selbst für dumme Schüler (dull scholars), immer wieder Versucheauf, die Stenographie durch eine abgekürzte Currentschrift (abbreviatedLonghand) zu ersetzen als Symptome der Verzweiflung, die stenographischeFrage auf einfachem, natürlichem Wege zu lösen.
In den Parlamenten englischer Zunge sind vorzugsweise Pitman'scheStenographen angestellt, so in den Vereinigten Staaten, in Canada, Austra-lien und Indien. In den Vereinigten Staaten brachte bis 1848 der »Congres-sional Globe« wöchentlich einen Auszug aus den Verhandlungen und solcheReden, welche von Mitgliedern des Congresses geliefert wurden, von 1848—73wurden die Verhandlungen in dem »Daily Globe« und seither in dem Congres-sional Record veröffentlicht. Seit 1873 besteht für die Repräsentantenkammerein Bureau von 5 angestellten Stenographen, während der Senat einen offi-ciellen Berichterstatter {Murphy) anstellte, welcher ein Bureau von 4 Steno-graphen beistellte, dessen Leitung er sich vorbehielt.
Eine ausgedehnte Anwendung findet die Stenographie bei denGerichtshöfen. Der Staat New-York war der erste, welcher die Steno-graphie am 16. April 1860 einführte, durch ein Gesetz von 1863 wurdendie Stenographen geschworene Beamte des Gerichtshofes. Bald folgten dieanderen Vereinigten Staaten diesem Beispiele.
Eine Verbreitung im Geschäftsverkehr hat die Stenographie in denletzten 20 Jahren erlangt, wobei insbesondere die Frauen sich sehr ver-wendbar erwiesen haben. Aus Rockwell's Statistik geht hervor, dass mehrPersonen weiblichen als männlichen Geschlechtes die Stenographie in Amerikaerlernen; einzelne Damen haben es zu angesehenen Stellen gebracht, PräsidentHarrison beschäftigte Miss Sawyer als Stenographin und in den Ämtern werdenzahlreiche weibliche Beamte verwendet. Gewöhnlich ist mit der Stenographiedie Umschrift auf der Schreibmaschine verbunden, deren Handhabungin den stenographischen Cursen gelehrt wird. Eine Zeitlang schien es, alswürde der Phonograph von Edison die Arbeit der Stenographen über-nehmen können, aber das Sprechen in dessen Trichter und die Schwierigkeit,Correcturen vorzunehmen, Hessen das Dictat an den Stenographen bevorzugen.
Es wird in den stenographischen Zeitschriften Amerika's geklagt, dassdas Land mit einer großen Zahl unfähiger Stenographen überlaufensei, deren Fehler die Kaufleute in Verdruss und die Gerichtshöfe mit ihrenZeugen in Verlegenheit bringen. Die Ursache sei darin zu suchen, dass vieleStenographie lernen, welche nicht die gehörige Intelligenz dazu besitzen,