Druckschrift 
Geschichte und Litteratur der Stenographie
Entstehung
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2 Schrift und Sprache.

Lautzeichen bestand; aber auch andere Völker besassen Lautreihen vonmehr oder weniger Zeichen, die nordischen Runen hatten deren nur 16.

Die Buchstabenschrift hat dieZeichen ganz vom Begriffabgelöst und auf den Laut beschränkt. Dadurch ist die Schriftsehr einfach geworden, aber indem ein mehr oder weniger zusammenge-setztes Zeichen nur einen Laut vertritt, während mehrere Laute (z. B.Vocal und Consonant) auf einmal ausgesprochen werden, ist das Schreibenhinter dem Zeitmaß des Wortes zurückgeblieben.

Dies wurde in einer Zeit nicht beachtet, wo das Schreiben selbst einewenig gekannte und destomehr angestaunte Kunst war, man pries dieGeschicklichkeit der Schreiber in orientalischen Übertreibungen (z. B.Baruch schrieb in ein Buch aus dem Munde Jeremias alle Worte des Herrn,die er zu ihm geredet hatte), welche später mit Unrecht als Zeug-nisse für das Vorhandensein einer Schnellschrift aufgefasstworden sind.

Allerdings ist bei geschickten Schreibein stets das Streben vorhanden,ihre Fertigkeit in ungewöhnlichem Grade zu steigern, selbstauf Kosten der Vollständigkeit der Schrift. Diesem Streben verdanken dieägyptische hieratische Schrift und die chinesische Pflanzen-schrift ihre Entstehung (Historische Grammatik der Stenographie, S. 9/10),auch in der griechisch-römischen Buchstabenschrift führte dies Streben zurBildung der Cursivschrift (ebenda S. 13) sowie zur Anwendung vonAbkürzungen. Aber die Cursivschrift zeigte schon vor 2000 Jahrendenselben Charakter der Undeutlich keit, den sie heute besitzt. Ein mitsolcher Schrift bedecktes Wachstäfelchen, welches in einem BergwerkeUngarns gefunden worden ist, konnte bis heute noch nicht vollständigentziffert werden; es theilt das Schicksal mancher Schriften unsererheutigen Gelehrten, welche auch kaum zu entziffern sind.

Im allgemeinen ist die jetzige Druckschrift gut zu lesen, da ihreZeichen, im Stahlstempel mit grösster Genauigkeit gebildet, in der Buch-druckertype ebenso genau und gleichmässig sich wiederholen, obgleich auchhier j und f, n und u für schwache Augen schwer zu unterscheiden sind. Aberweder die Form dieser Buchstaben, noch die getrennten Gestalten derselbeneignen sich zu einem einigermassen schnellen Schreiben, weshalb zuletzterem die vereinfachten und verbundenen Züge der Schreibschriftverwendet werden. Auch bei dieser erfordern selbst die einfachen gemeinenBuchstaben noch immer 38 Handbewegungen, im Durchschnitt 5^2, diegroßen Anfangsbuchstaben noch mehr. Ein fertiger Schreiber liefert inder Minute 2025 Worte nach einem Dictat (in dem StenographenbureauGumey in London schreiben zwei Currentschreiber 2800 Worte in derStunde, also jeder 23-3 in der Minute). Da nun die langsamste Rede 6070Worte in der Minute ergibt, schnelle Redner bis 150 Worte in der Minutesprechen, also sechsmal soviel als ein Currentschreiber liefernkann, so ergibt sich, dass die Currentschrift nicht geeignet ist,die Sprache in Zeichen festzuhalten, wenn ein Redner spricht, indieser Hinsicht also der Aufgabe der Schrift nicht gerecht wird.

Mit Hilfe von Abkürzungen kann allerdings die Schreibgeschwindigkeiterhöht werden und es ist zu allen Zeiten einzelnen geschickten Schreiberngelungen, selbst Reden nachzuschreiben. Aber die Undeutlichkeit schnellgeschriebener Currentschrift steigert sich bei der Anwendung vonAbkürzungen und daher haben solche abgekürzte Currentschriften nur einesehr beschränkte Anwendung gefunden. Nur eine größere Verein-