Wir laufen rum als „Schokoladenjünglinge" — von wegender braunen Kluft. . ."
„Schließlich wurde ich so eine Axt Vertrauensmann fürunsern Leutnant (v. L.). Der war ein ganz versoffenes Huhnund schickte mich vor allem immer nach Bier. Aber weil ichein Wappen für ihn malte, ließ er stets zwei Glas Bier holen,so daß auch ich nicht Durst leiden brauchte. —
In der Sonneburger Kirche hängen doch alle Wappen vonden Familien, von denen ein Mitglied zum Johanniterordengehörte. Da hatte denn mein Leutnant auch ein Wappenseiner Familie entdeckt. Und das mußte ich ihm abmalen.
Das war mir natürlich Heber als die Bewachung der armenDeibels im Zuchthaus. —
Wenn ich nun in der Kirche arbeitete — an dem Wap-pen — bis zur Dämmerung, stand immer eine andere von denvielen Pastorstöchtern an der Kirchentür:
„Papa läßt bitten zum Kaffee 1"
Der Pastor rauchte seine lange Pfeife, die Töchter stricktenoder machten die damals behebte Spritzmalerei. Ich saßdazwischen: nicht als Kommiß, sondern ich gehörte dazu.
So lernte ich auch die Seite vom Leben kennen."
„Sonneburg war damals nur ein großes Dorf. Fischer undAckerbürger und Meine Handwerker. Und dann Witwen vonAufsehern. Die besorgten den Aufsehern und den Soldatendie Wäsche und die Handschuhe.
Witwen gab's genug. Ihre Männer, die Aufseher, wurdeneben verrückt am Dienst. Zwölf Stunden in Filzlatschenrumschleichen — die andern Menschen beschleichen — immerachten, daß sie nicht miteinander sprachen —
Nur immer Schnupftabak in die Nase stopfen. Das ein-zige, was sie machen durften, um sich wach zu halten —damit sie bewachen konnten ... bis ins Hirn — den Tabak.
Da mußten sie ja bald verrückt werden."
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