konnte, da wurde so sachte der Armeleutemaler fertig, undich kam wirklich zu meinem .Schicksal'." —
Weiter erzählt Zille aus seiner Lehrzeit:
,Als ich Lithograph lernte, kam ich auch wieder ins,Milljöh'. Ich lernte in der Alten Jakobstraße. In dem Hausewar das berühmte und berüchtigte Ballokal ,Das Orpheum'.Zum Frühstück mußte ich Bier holen — bei den Kellnernder Tanzsäle. Sie hatten eine eigene Kantine und putztenvormittags den Fußboden, die Spiegelscheiben und was zusolchen Lokalen dazu gehört. Wenn ich hinein kam, lagennoch betrunkene Männer und Weiber in den Nischen undLogen auf den Plüschsofas: die Glücklichen der Gründerzeit,die die Ernte der Kriegserfolge von 1870 einheimsten.
Ich kam mal dazu, wie die Kellner ein betrunkenes dickesFrauenzimmer über den Stuhl gelegt hatten und auf ihrerentblößten Kehrseite einen Dauerskat kloppten ..."
„Monatelang habe ich Lithographien koloriert. MeistensHosemanns. Da gab's ein paar Drucker in Berlin, die mitsolchen kolorierten Drucken handelten. Von denen kauftendie Buchhändler und Papierhändler die bunten Bildchen.Auch andere Geschäftsleute hingen manchmal solche Bild-chen in ihre Schaufenster. Die waren ja meistens noch vielkleiner als heute. Und da fiel solch Bildchen auf. Das wardamals ein Reklametrick.
Damals war das Kolorieren noch Heimarbeit. Für jedesBlatt gab's 'n paar Pfennige — manchmal auch nochweniger. Damit hat sich manches arme Mächen sein trockenBrot verdient. Manche Familie hat bis in die Nacht um denTisch rum gesessen und gepinselt. Jeder hatte seine be-stimmte Farbe aufzutragen. Aber man lernte ein bißchensehen dabei."
„Als Kind und als Stift hatte ich auch manchmal im neuen
366