Wir mußten alle mitverdienen. Mutter schnitt Tierchen ausStoffresten; daraus nähte sie Tintenwischer oder Nadelkissen.Die durften aber nicht mit Sand gefüllt werden. Im Sandrosteten die Nadeln. Da ging ich denn in die Lumpenkellerund kaufte den Weberstaub. Beim Weben ballt sich dochder Wollstaub, der dabei abfliegt, zusammen.
Ich sagte natürlich nicht, wozu ich den Staub gebrauchte.Hätten die Lumpenmatze gewußt, wozu ich die Ballen habenwollte, daß ich die zum Geldverdienen brauchte, hätten siemir feste Geld abgenommen. Ich sagte, daß ich's zum Spielenbrauchte. Da bekam ich die Dinger für'n paar Pfennige.
In den Pelzläden in der Post- und in der Königstraße holteich die Abfälle in Säcken, ein paar Pfennige für den Sack voll.Allerlei Beste und selbst Fuchsschwänze gab's zu. Darauswurden auch Tierchen genäht und gestopft.
Aber die Langhaarigen waren dazu nicht zu verwenden. Dakam ich auf'n Trick:
Den Jungs in meiner Schule, die doch alle keine wildenTiere kannten, bot ich Pelzsammlungen an. Ich stellte Kol-lektionen von Besten zusammen — Füchse, Marder, Persianer,Karnickels und was so an Pelztieren rumkraucht —, auf einStück Papier geklebt. Wenn ich keinen Namen für das Fellwußte., wurde einer erfunden! Die Jungs kauften fast alle.Als das nicht mehr zog, wurden Haare von den Lehrern ge-sammelt. Vor allem von einem Bothaarigen, der sich einePerücke hatte machen lassen. Am Katheder suchten wirnach, wenn die Stunde um war. Aber von dem Boten fandenwir wenig.
Dann kamen Münzen ran. Die meisten sahen wir beiLumpenfritzen in der Krautstraße; die hatten im Keller-fenster Schachteln mit Münzen und Eisernen Kreuzen. Aberüber Dreier und Heller kamen wir nicht 'raus...
Schließlich, als ich schon fast zechzig war, vorm Kriege,hatte ich doch ein Goldstück gesammelt — englischesPfund—, das ich dann 1915 auf dem Altar des Vaterlandesopferte ..."
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