Druckschrift 
Das Zillebuch : mit 233 meist erstmalig veröf. Bildern
Entstehung
Seite
256
Einzelbild herunterladen
 

ein Ausschuß spenden Kaffee und Kuchen und ein Leier-kasten dudelt den ganzen Tag seine zwei, drei Tänze.(Büd 28, 129.)

Außer allgemein bekannten Bewegungsspielen Greifzeck,Fuchs aus dem Loch, die wegen des häufigen Wagenver-kehrs aber nur auf dem schmalen Bürgersteig gespielt wer-den dürfen, bleibt also nur noch jene Art von Spielen wieHimmel und Hölle". Wenn die Straße mal umgepflastertwird, wenn neue Gasröhren gelegt werden, feiern diese Kin-der wahre Freudenfeste. Die Sandhaufen sind Berge. Undendlich sehen sie die Erde! Aber lange dauert das nicht! Undes wird wie vorher.

Nun bieten ja die Schaufenster alle möglichen Anregungen.Da hegen Waren aus vielen deutschen Orten, aus den Obst-dörfern, aus dem westfähschen Industriegebiet, aus dem Erz-gebirge und von der Wasserkante, ja, aus allen Erdteilen.Aber haben die Kinder davon tiefere Anregung? Selten, nurganz selten.

Sie gehen an den Dingen vorbei, nehmen sie mit denAugen auf, aber ins Gemüt und in den Geist gelangt dabeinur wenig. Kirschen sehen sie wohl, wissen auch, wie sieschmecken. Aber wie ein blühender Kirschbaum aussieht, da-von .^dssen sie nichts.

So bleibt denn auch das Gemüt der Kinder meist leer undungepflegt. Im besten Falle kommen sie zu jener Gewitzt-heit, die ja in dem Weltstadtleben ganz angebracht ist, dieaber doch nur wenig Liebe erweckt. (Bild 19.) Sie wird sehrgut illustriert durch den Witz: Mehrere Kinder einer armenFamilie kommen heim zur Mutter und legen der eine ge-stohlene Gans auf den Tisch:

Da Mutta die fühlte sich so einsam da haben wirse mitgenommen!" (Bild i3i.)

Zu all diesem kommt noch die immer mehr sich voll-ziehende Trennung der Klassen. Die Reichen ziehen immermehr nach gewissen Straßen des Westens und nach bestimm-ten auserwählten Vororten. Die Wohlhabenden und der gut

2 5fr