Doch daran wird wenig zu ändern sein. Die großen wirt-schaftlichen Umwälzungen und Umbildungen,, die unser Volledurchzumachen hat, bringen aber schwere Schäden mit sich.Die Bevölkerung ist nun einmal von dem Zug in die Indu-strie und in die Großstadt ergriffen worden. Sie befindetsich im Stadium einer Völkerwanderung, wie sie die Mensch-heit noch in keiner Epoche erlebt hat. Sie löst sich los vonihrer alten Scholle und schafft sich eine ganz und gar neueHeimat in den Großstädten. So müssen denn die Familienauch sehen, wie sie ihre Kinder in den Lebensverhältnissender neuen Heimat großziehen. Am schlimmsten und er-barmungswürdigsten geht es nun natürlich den Kindern dergrößten Großstadt von Deutschland, den Kindern in Berlin —dieser Stadt, die mit ihren Vororten zusammen ungefähr vierMillionen Menschen beherbergt. Manche der Vororte habenja noch einen nicht zu weltstädtischen Charakter, sie bietenalso den Kindern wenigstens Luft, Sonne, Erde und Grün.Aber gerade die kopfreichsten größten Vorstädte wie Schöne-berg, Neukölln, Lichtenberg, Charlottenburg und Wilmers-dorf sind schon so verwachsen mit Berlin, so berlinischgeworden, daß ihre Kinder nicht anders aufwachsen wieWeltstadtkinder.
Und wie ist das nun?
Da sah ich neulich von der Hochbahn aus auf einemrichtigen Berliner Hof einen kleinen Jungen stehen. EinenJungen, dessen Geschwister wohl zur Schule gegangen warenund der nun auf sich allein angewiesen war. Er stand da,die eine Hand an der blauen Schürze, die andere verlegenam Mund. Hilflos sah er sich um auf dem asphaltiertenHofe. Nichts als grauer Stein ... so ganz abgeschlossenvon der lebendigen Erde, mit der er hätte spielen können . . .Was hatte er davon, daß er die Hochbahn und die Elek-trische, die vielen Autos und die Omnibusse sehen konnte?Am Ende stand er doch da, wie wenn er gefangen wäre . . .
Dieser traurige Junge auf dem asphaltierten, engen, luft-und sonnenlosen Hofe ist das Sinnbild des Lebens der
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