„Zwee Jahre such ick meine Tochter. Sie is ooch uff deBühne jejangen, dabei hab ick mir det Saufen anjewöhnt!"
Von einer Wanderung durch diese Kabaretts berichtete mirZille:
„Eine Sängerin schrieb einmal an mich. Das heißt, eine,die aus der Provinz gekommen war und die nun hier studierte.Sie möchte doch einmal sehen, wie es in den Kabaretts und inden Singspielhallen zugeht. Sie wollte zu mir kommen oderwir könnten uns auch woanders treffen.
Wir trafen uns denn auch in einem feinen Weinlokal.Sie war ein hübsches Mädchen — und stellte mir ihrenBräutigam vor. Einen Lederhändler, einen jüdischen Mann,der es aber ehrlich mit ihr zu meinen schien. Reich schiener ja zu sein. Wahrscheinlich bezahlte er auch die Pensionfür sie — im bayrischen Viertel. Aber na — er hat siewohl geheiratet . . .
Sie war ja nun sehr glücklich, daß ich gekommen war undsie durch die Tingeltangel führen wollte. Und er betrug sichauch sehr bescheiden und durchaus gebildet.
Und dann gingen wir nach'm Oranienburger Tor zum CafeBoulevard — wo gleich vorne rechts die ,Fleischbank' war■— wo die Sängerinnen in ihren ballettartigen, bunten Kostü-men oder in losen, hemdartigen Hängern Schau saßen.
Das Fräulein guckte. Und sah sich scheu um unter denHerren, die auf die Bühne starrten.
Dann gingen wir in das Elsässer Schloß an der Novalis-straße, wo die Bühne in der Ecke bei den Schaufenstern ein-gebaut war — wo die Mädchen schon seit Jahren den,Wa—alzertraum' sangen — und ,Ich laß mich nicht ver-führen!' Von da aus führte ich sie noch zu Haberland in derMünzstraße — wo's in dem niedrigen langen Ladenraumganz voll war von jungen Pärchen und alten Herren — undwo man vor Tabakrauch die Komiker und die Soubretten nurwie durch 'n Schleier sah.
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