Wenn Zille in den Nußbaum kam, wußte bald die ganzeGegend:
„Zille is da!"
Alle Nachbarn rannten hin in Hemdsärmeln und Latschen,wie sie gerade zu Hause runüiefen. Manche redeten ihnals Professor an. Einige fragten auch, ob er auch genugdafür bekomme, wenn er nu in der Akademie sei.
Zille sieht vergnügt über seine Brille weg — er weißschon, die Nachbarn spekulieren auf ein paar Lagen — ab-lehnend sagt er:
„Nee — det kostet nischt und et jibt nischt — basta!"
Aber es gibt auch andere Zillekneipen. Auch in das muf-fige Gebiet der „Roten Laterne" hat Zille hineingeleuchtet.Am erschütterndsten in dem Bild, wo Kinder vor solcher „Ro-ten Laterne" stehen und zur Mutter sagen:
„Mutter, ick seh Vätern sitzen bei der roten Hexe! Dumußt ihr mal wieder ordentiich mit den Besenstiel zudecken!"
Auch die Geschäftsgeheimnisse der sogenannten Kabaretts,dieser ehemals Tingeltangel genannten Singspielhallen, diejetzt fast ganz von den Kinotheatern verdrängt sind, ent-hüllte Zille. Die Sängerinnen, die sich wohl andere Bezie-hungen zur Kunst vorgestellt hatten, mußten mit den Gästen„auf Prozente" trinken, d. h.: sie bekamen fast gar keine odernur eine ganz geringe Gage. Von den Getränken, die andem Tisch verzehrt wurden, an dem die Sängerinnen sich zuden männlichen Gästen setzten, erhielten sie ihre Prozente.Also: recht viel spendieren lassen! Recht viel trinken! Jegrößer die Zeche, je mehr Prozente . . .
In den kleinen Nebenzimmern solcher Kabaretts bekamendiese meist ihren Eltern entlaufenen Sängerinnen von denalten, angetrunkenen Weinonkeln weinerlich zu hören:
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