Die Gastwirtstochter war ein feines Mädchen. Sie schänkteja noch ein — aber sie hatte Stimme und nahm Gesangunter-richt. Sie ist nu auch Sängerin. Und neulich war sie mitihrer Tochter bei mir. Schon ein großes Mädchen. Aber diewill doch nu nich singen lernen — nee, zum Film! Unddenn gleich Diva! . . .
Ja, die hatten dann die schöne Kneipe verpachtet. Undder Pächter hat keine Pacht gezahlt und hat ein Stück nachdem andern aus der schönen Einrichtung verkauft. Dieschöne goldene Uhr unter dem Glassturz — Gläser — Stühle
— Schränke.
Die alten Wirtsleute mußten die Budike wieder selbstübernehmen und sie neu einrichten.
Aber die schönen alten Sachen waren futsch. In alle Windezerstreut."
Erschütterndes erzählt Zille aus einer andern Kneipe ausAlt-Berlin:
„An der Wand hingen verrostete Schlittschuhe. Wer imWinter auf den Hof wollte zur P. P.-Tonne, mußte sich dieDinger anschnallen und über die gefrorene Feuchtigkeit in dieverschwiegene Ecke schliddern.
Dabei rannte ick im Dunkeln gegen einen. Der rührte sichaber nich vom Fleck. Und da steck ich 'n Streichholz an
— und denke, ich bin im Panoptikum. Da hatte sich nämlicheiner aufgehängt —- und ich hatte ihn bloß 'n bißchen ins
Schaukeln gebfacht."
*
Der Gasthof zum Grünen Baumim Scheunenviertel war natürlich nicht mit dem Gasthof inder Krausenstraße zu vergleichen. Er hatte ganz andereGäste, die sich einquartierten und einschätzten nach dieserTabelle:
i. Ein Bett, täglich bezogen.
2. Ein Bett, zweimal in der Woche bezogen.
3. Ein Bett, einmal in der Woche bezogen.
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