Bier auszuschänken . . . Sie hatten auch meist die ganzeNacht auf und schänkten billig warmen Kaffee und Milchsowie andere alkoholfreie Getränke. Es waren Ersatzlokalefür die zu teuern Kaffeehäuser. In ihnen suchten alle Men-schen Erfrischung, die nachts in der Weltstadt unterwegssein mußten: Zeitungsdrucker, Kutscher, Straßenmädchen,deren Freunde, ferner Bettler — und auch Künstler, die nichtso leicht zur Ruhe kommen. Neuerdings hat ja ein ganz ein-faches Kellerlokal einen ungeheuren Zulauf von Künstlern,Rechtsanwälten und andern Nachtbummlern. Allerdings gibt'sda auch Alkohol ...
In die Bouillonkeller aber kamen auch jene Nachtgestalten,von denen Zille allerlei erlauschte.
Wieviel rührende Sehnsucht und Zuversicht äußerte sichin dem Seufzer der blinden Bettlerin zu ihrem erbärmlichausschauenden neuen Führer:
„Willem, ich glaube, du mußt ein schöner Mann seinl"
In manchen Bouillonkellern wurde auch gespielt. In derMitte ein Tisch für den Bankhalter. Ringsherum die „Klub"-mitglieder aus der Friedrichstraße, bepelzte Bardamen undandere Nachtvögel. Die Geldscheine wurden in der Inflationnur gebündelt in die Bank geschmissen oder dem Gewinnerhingeworfen . . .
In solchen Bouillonkellern wurden aber auch gute Rat-schläge von guten Freunden erteilt:
„Warum heiratste nich die Liese, Paule? Sie kocht dir,sie wäscht dir, sie flickt dir, — und wenn de besoffen bist,weeste wo de hinjehörstl" (Bild 82.)
Manche der Keller waren so niedrig oder hatten einen soniedrigen Eingang, daß größere Menschen sich beim Hinab-steigen bücken mußten. Sie bekamen dann davon ihrenNamen, wie das „Hotel Bück Dich". Der Wirt, der Patrioten-willem, hielt eine derbe Standpauke an seine Gäste, kümmer-liches Bettelvolk:
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