Dore, die Fünfjährige, die drolligste von den Kleinen,macht sich nicht bemerkbar. ,Nee, Dorchen schläft nich,kommt jleich, is' drei Treppen uff's Kloster, unsert is' ver-stoppt, heit abend war se im Kintopp.' Da kommt sie auchschon, ein Liedchen singend ...
,Det wird mal ne richtige Giftige, aber nu rin in deFlohkiste —', und Dorchen legt sich zur schwangeren Schlaf-burschin Ida." Z.
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In der Schilderung einer andern Hochzeitsfeier hat Hein-rich Zille in ganz klassischer Weise das Leben der BerlinerUnterwelt festgehalten. Um seine wirklich plastische undlebensechte Darstellung zu beweisen, seien hier einige größereStellen aus „Bindedrahts Hochzeit" x ) zitiert:
„Ja, Bindedraht macht Hochzeit mit Trude, ,die Braut'.Beide neu eingekleidet. Emils Unke Hand, mit Trauring überdem Handschuhfinger, auf der Brust. Alle Leute müssen essehen, er ,macht ihr (die Braut) ehrlich'.
Seit sie im ,Karree' geht, heißt sie ,die Braut'. Die großenmüden Augenlider, ihr zaghaftes Ansprechen der Männer gabihr den Namen.
Schläfrig geht sie an seiner Seite. Ihr alter trauriger Vaterund zwei Männer, Bindedrahts Bekannte, folgen als Trau-zeugen.
An den Fenstern der alten wackligen Häuser lauern dieaus den Betten gekrochenen Kolleginnen der Braut, es istja Trudes Ehrentag — ,Heite wird sie sittefrei 1'
Das von Ludwig von Hofmann mit Bildern geschmückteStandesamt in Alt-Berlin erlebte manche solche Trauung.Der Stadtbezirk hat viele solche Existenzen.
Die allzu aufgeklärte Jugend und neugierige Frauen er-
J ) Aus dem Buch „Berliner Geschichten und Bilder", Verlag C.Reißner.
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