kanern schöne große Worte von der großen Liebe und All-macht.
Na ja — ich wurde denn nu mal zum ,Tee' gebeten zuFrau Doktor, Kopenhagener Straße, Hof, Quergebäude. Neschmale graue Stube. Ein ausgesessenes Sofa, auf dem dieFrau Doktor saß, ein schwächliches ältliches Frauchen, undZirkel hielt. Kisten als Stühle. Die Beleuchtung ganz herr-schaftlich: ,ne Küchenlampe ohne Schirm. Vorm Fenstereine alte Waffelbettdecke gehängt. Vorhänge — dazu reichtees doch nicht . . .
Als ich eintrat, kam mir ein ganzes Rudel Katzen ent-gegen. Ein schwarzer Kater sprang mir an die Brust undschlug mir ins Gesicht. Die Weiber schrien: ,Figaro! Willstdu artig sein!' Sie taten so, wie wenn es ihre Lieblinge wären.Aber sie werden wohl ab und zu einen in den Topf gesteckthaben . . . Die Nachbarn brachten alle Abfälle zum Futtern.Ein ganzer Berg Bücklingsschaleu lag vor der Tür. —
Dann wurde an die Wasserleitung geklopft.
Und daraufhin erschienen die Nachbarn. Das buckligeLieschen — die Hellseherin Irene, die immer wahrsagte,aber schließlich nicht mehr wollte — die Masseuse, die schonVorstrafen hatte wegen § 186 (Abtreibung) und deren Mutter,die ehemalige Hebamme, die auch schon ein paarmal Z.(Zuchthaus) hinter sich hatte, aber dick und gemütlichhereinwalzte. Die hatte Kundschaft bis hinter Stettin undbis hinter Frankfurt. —
Na — und dann die Männer.
Irene mit ihrem Kohlenträger, einem breiten Kerl mitmächtigem Schnurrbart, der sich auch zu Tode gesoffen hat.Und der sie oft an ihren Haaren durch die Stube schleifte. —
Der Kerl hat sich denn auch an der kleinen Tochtervon der Irene vergangen. Sieben Jahre war das kleine Mäd-chen. Aber das lag so in der Familie. Ihrer Mutter, derIrene, war das auch mit sieben Jahren passiert. Das isteben Tradition.
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