er nur die ausgelegte Ware, irgendeine Gestalt oder eineSzene abzeichnen wollte:
„Na — Ihr Vater war ooch keen Glasermeester! Der hatIhnen keene Scheibe injesetztl"
Und Zille mußte beiseite gehen und seine Skizzenblättcheneinstecken.
Als er bekannter geworden war, als er mit dem Spitznamen„Pinselheinrich" herumlief, standen sie ihm allerdings gernModell, ja, Mütter gruppierten sich besonders mit ihrenKindern vor ihm und selbst der Säugling wurde ermahnt:\ „Halte stille! Der Pinselheinrich will dir malenl"
Zille selbst berichtet von seinen Modellen in vielen Anek-doten, die in manchen andern Kapiteln dieses Buches zu fin-den sind, vor allem in den Kapiteln: Zille-Milljöh, Zille-Kneipen, Zille-Kinder, Zille-Fräuleins, Zille-Mächens usw.Wie er sie selbst sieht, hat er einmal schriftlich niedergelegt:
„ ,Sie haben woll sonst keene Zeit, det se det noch bci'nRegen missen zurechtfingern!' Die Ansprache der so wenigVertrauen erweckenden Gestalten in der verregneten Gassehätte wohl zarteren Kunstjüngern das Zeichnen verleidet.Mir sind die Menschen und Gassen seit langem vertraut, wiemal jemand sagte: JDetis Zille seinMilljöh! Der fünfte Stand.'Menschen, die ihrem Geschick nicht entgehen können, diedas Resultat der heutigen und früheren Gesellschaftsordnungsind. Bedauernswerte, in der ,Charite' oder im ,Fröbel' ge-boren, finden sie ihren Lebensweg schon in harten Letternvorgeschrieben. Zusammengepfercht in hohe Mietskasernen,mit schmalen ungelüfteten Treppen. Elende Zufluchtsorte innassen Kellern und über stinkenden Ställen, ohne Luft undSonne.
,Man kann mit einer Wohnung einen Menschen genau sogut töten, wie mit einer Axt!'
Garstige finstere Höfe, stinkende Müllkästen, die verschwie-genen Leichenhallen für ,Abgetriebene' und Neugeborene.
Unter Schlafleuten und Absteigemädchen, — so entwickeltsich der Lebensfilm Abertausender.
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