Abendaktklassen gezeichnet. Immer eine ganze Woche langnach demselben Mann. —
Weibliche Modelle bekamen die wenigsten zu sehen. Siewaren nur in den Meisterateliers zu finden — und nur bis zurBrust entblößt (Bruststück). Nur wenige bevorzugte Kunst-jünger durften in diesen Ateliers Akt zeichnen. Zille sagtedazu:
„Auf einem akademischen Fest der Schüler war unter vielensehr guten Vorführungen auch eine ,Pythia', eine ,Hell-seherin'. Sie wurde gefragt: ,Wann bekommen wir einenweiblichen Akt?'
Antwort: ,Nie nacktl'
Na, so um 1900 ist's dann endhch anders geworden, abernur in Privatmalschulen, die Akademie sträubte sich nochJahre.. . Wenn nun im Abendakt der ,schöne Adolf Modellstand, dann war's gerammelt voll. ,Adolf verstand die,sehr geehrten Herren Maler' und die ,sehr geehrten HerrenBildhauer' mit seinen Akrobatenkunststückchen, Erzählun-gen und Vorträgen zu fesseln, dabei brauchte er nicht stillzu stehen, wurde mit Apfelsinen usw. beworfen, bekam Zi-garren — alles Vorteile.
Der ,schöne Adolf, von allen Künstlern begehrt, um Batund Hilfe angegangen, war wirklich nicht nur körperlichein Prachtmensch, er hatte auch Gemüt, Liebe zur Kunstund war immer hilfsbereit. Brauchte ein Maler wie der alteKnaus alte abgetretene Holzdielen, um sein Bild ,Jäger-heim' fertig zu malen, Adolf holte das Holz vom Abbruchder alten Schule in der Burgstraße. Wollte jemand ,Böck-linsch' malen, Adolf wußte, wer in BerUn noch 'ne Ziegeoder Kaninchen hatte, er holte ran. Der Historienmaler liehsich von ihm eine alte Lutherbibel, und den .einzigen Esel',den damals Berlin hatte, sah ich oft hinter ihm hertraben,um irgendeinem Maler im zweiten Quergebäude im NordenBerlins zu einem .italienischen' Bilde die Staffage zu geben.Auch rote Dachziegel brachte er den Malern, die nur Schiefer-
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