„Cläre Waldoff, die als erste ein Zülemädchen mit ihrerganzen Deftigkeit auf die Bühne brachte — in einem Kaba-rett in der Behrenstraße, 1922 war's wohl — stellte mirso um 1916 mal 'ne junge Kollegin vor. Die kam mir ja be-kannt vor. Aber auf den Namen konnte ich mich nicht be-sinnen. Da lachte sie und sagte:
,Ich war doch mal Ihr Modell!'
Und da erkannte ich sie: die Else, die ich so um 1904 alsModell gehabt hatte. Vierzehn-, fünfzehnjährig.
Ich kriegte sie ja meist erst, wenn sie müde waren, dieModelle. Ich konnte nicht so früh da sein in der Aktstunde.Na — da zeichnete ich sie eben im Sitzen oder im Liegen.Das übt ja auch ...
Aber ich hatte auch das Glück, daß mir künstlerische Kol-leginnen standen. Ja, das war n besonderer Vorzug. Dieüblichen schönen Modelle waren das nicht. Aber das warmein Glück. Da sali ich das Weib in seiner wirklichen Art.(Siehe Kapitel ,Studien'.)
In meiner Jugend habe ich die Modelle genommen, diemir die nächsten waren: Großmutter, Vater, Mutter. Diewaren ja manchmal erstaunt, wenn sie aufm Fetzen Papierabkonterfeit waren. (Siehe Kapitel ,Kindheit'.)
Na, und selbstverständlich malte ich auch meine Kinderab. Die wollten ja nicht immer stille halten. Dann mußteich sie beim Spiel belauschen. Oder sie einfach zum Modell-stehen antreten lassen. (Siehe Bild ,Die drei Zillekinder'im Kapitel ,Zülekinder'.)"
Zille hat natürlich in seiner Jugendzeit brav nach Mo-dellen in der Akademie der Künste gezeichnet. Das war um1877 herum, als Anton von Werner Direktor der Akademieder Künste war. Viele junge Leute arbeiteten fleißig inden Unterrichtssälen und erleichterten sich die Arbeit durchübermütige Streiche.
Nur nach stillstehenden, nackten Männern wurde in den
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