„Das letztemal war's bucklige Lieschen bei mir, als sie ausdem Krankenhaus kam. Aus'm Friedrichshain. Mitten imkalten Winter. Bei zehn Grad Kälte. In 'ner dünnen Som-merbluse, ein Sommerröckchen an und 'ne dünne Hosedrunter.
Im Herbst hatte sie 'n Unfall gehabt. Mit dem Singenging's wohl nicht mehr so recht. Da hatte sie ihr Kind ge-nommen und hatte Unter den Linden Streichhölzer verkauft.Und da hatte sie nicht achtgegeben und war vom Autoangefahren worden. Das ganze rechte Bein aufgerissen.Bis an die Leiste. Als sie mir die Wunde zeigte, war sienoch ganz rot. Ein Streifen von unten bis an den Leib.
Und so war sie vom Friedrichshain bis zu uns gelaufen— bis beinah nach Westend. Durch ganz Berlin — durchden Tiergarten — und durch ganz Charlottenburg. Mit derdünnen Kleidung und ohne was Warmes im Leibe. Kurzvor'm Mittagessen hatten sie das arme Wurm rausgeschicktin die Kälte.
Da hat meine Schwiegertochter sich hingesetzt an die Näh-maschine und hat dem buckligen Weib 'n paar warme Stückezurechtgenäht von den Sachen, die wir noch von meinerverstorbenen Frau da hatten.
Und denn haben wir Lieschen ins Hospital untergebracht.
Denn nu konnte sie natürlich nicht mehr so lange aufden Füßen sein und sich ihr Geld verdienen."
„Einmal wollte ick 'ne Familie aus Berlin N bei't Essenam Familientisch zeichnen und sagte, ick würde zum Sonn-abendabend kommen. Sie sollten sich man ein wärmetAbendbrot machen. Ick würde det schon bezahlen. AlsModelljeld. Aber se sollten sich wat Ordentliches kochen.
Nu wissen Se, wat se janz vagnügt ausriefen?
Pellkartoffeln und Hering!
Die armen Ludersohl Det war for se 'n Festessen I"
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