Einmal hatte ich eine von den Damen, die damals in derFischerstraße und Umgegend spazierengingen und den Haus-dienern aus der Gegend und den Schiffern von der Friedrichs-gracht zärtliche Augen machten, getreu abgezeichnet unddummerweise in den „Ulk" gebracht. Als ich nun auf dieRedaktion kam, sagte mir Fritz Engel, sie hätte sich be-schwert. Das gäbe noch einen Mordskrawall.
Ich kriege einen Schreck und denke, das mußt du gleichwieder gutmachen. Also sofort hin in ihre Stammkneipe,in die Parochialritze.
Es dauert nicht lange, kommt sie rein. Aber mit 'n Blick!— an mir vorbei.
Ich rufe sie freundlich an:
,Lise, wat is denn?'
,Ick bin nich Ihre Lise!'
Setzt sich und kehrt mir den Rücken zu.
Da mußte ich also abzieh'n.
Als ich an einem der nächsten Tage auf die Redaktionkomme, ist große Aufregung. Lise ist da und verlangtGenugtuung. Und nicht zu leise! Sie war doch gewohnt,recht schön laut zu sprechen auf der Straße.
Da nahm Franz Mehring, der damals noch lebte und mitFritz Engel zusammen den ,Ulk' redigierte, einen Band vondem Witzblatt und zeigte ihn ihr:
,Sehen Sie, da is der Kaiser — der Kanzler — alle Mi-nister und Könige. Keiner sagt was, wenn er angeulkt wird.Und nun werden Sie Krach machen wollen, wenn wir Sieveröf f entlich en ?'
,Das scheniert mir, wenn ick so in de Öffentlichkeit ge-zogen werde! Ick bin nich für die Öffentlichkeit!'
.Sind Sie denn überhaupt Frau Ebersdorf?' fragte Meh-ring.
,Nee — Fräulein Ebersdorf. Prostituierte!...'
Sie Heß sich schließlich beruhigen, diese öffentliche Dame,die nich for de Öffentlichkeit war.
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