er solle in seinen Abbildungen keine Gebrechen zeigen, keineschwangeren Frauen, keine Kranken, kein Elendsmilieu.Da antwortete ihnen Zille:„Dann kann ich Ihnen Berlin nicht zeichnen!"Und der Verlag hat schließlich auch gern „die echten
Zilles" genommen und veröffentlicht.
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Zu dem Echtesten und Persönlichsten gehört das, was Zillebei seiner Einführung in die Akademie der Künste erlebte.In der ersten Sitzung, an der die neuen Mitglieder teilnehmen,müssen sie, wie das seit langem Gewohnheit ist, ihren eigen-händig geschriebenen Lebenslauf überreichen. Max Lieber-mann, der Präsident der Akademie, nahm aus Zilles Handdessen Selbstbiographie"\— sah auf das eng beschriebeneBlatt — las einige Zeilen und meinte lächelnd:
„Det is ja janz ulkig! Aber sagen Se mal — warum hamSe denn det so kleen jeschriem?"
Zille antwortete schlagfertig: „Erstens sollte das alles uffeene Seite jehn — und denn braucht es ja doch ooch keenerzu lesen!"
„So — o — nu lesen Se't man selber vor?" sagte Lieber-mann.
Zille nahm das Bla|| und las seinen Lebenslauf. Solcheechten volkstümlichen Worte hatte die hochmögende Kame-radschaft der Akademie wohl noch nie an dieser Stelle gehört.Aber die Professoren schüttelten nicht entrüstet den Kopf.Ihre Gesichter hellten sich auf. Stilles Lächeln glänzte in denAugen, in den Mundwinkeln. Das stille Vergnügen an dem„Frischen Ton", wie er in dem feierlichen Sitzungssaal bis-her unbekannt gewesen war, explodierte schließlich in einemlaut schallenden Gelächter.
Aber Zille blieb ernst und las die letzten Sätze vor:
„'— Jetzt bin ich sogar Mitglied der Akademie geworden.Dazu schreibe ich, was das Blatt ,Fridericus' sagt: ,DerBerliner Abortzeichner Heinrich Zille ist zum Mitglied derAkademie der Künste gewählt und als solches vom Kultus-
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