einige Adressen schicken, wo es einen Zweck hätte, zu Weih-nachten Stollen hinzuschicken.
Es ist noch viel schlimmer in Berlin! antwortete ich ihmund schickte ihm die gewünschten Adressen. Und dann hörteich auch, daß mehrere arme Luders so rechte schöne großesächsische Stollen von ihm bekommen haben.
Schließlich tauchte er selbst in Berlin auf und wollte sichüberzeugen, ob's so schlimm war. Ging hin zu den Leuten,denen er Stollen geschickt hatte. Und besuchte mich nachher.
,Ja, das ist wirklich schlimmer als bei uns', sagte ermir. ,So elend wie hier sind die Menschen bei uns nicht.Wenn einer bei uns Unglück hat, dann kümmern sich dochdie Nachbarn oder sonst wer um ihn. Wir kennen dochunsere Armen. Aber hier — so elend — so einsam — soverlassen ... Es ist ja, als ob hier die Menschen allein sind,wenn sie ins Unglück kommen.'
Seh'n Sie," fügte Zille hinzu — „dadrum muß ich zuWeihnachten soviel Päckchen verschicken, damit sich dieLeute nicht so allein auf der Welt fühlen . . ."
Bei diesen unmittelbaren Erlebnissen blieb es nicht. GanzeStöße von Briefen erfreuten den Meister. Manche kamenspontan, wenn irgendein Bild oder ein neues Album vonZille erschienen war. Viele Freunde aber dachten an ihn zuWeihnachten. Aus der Fülle solcher Festgrüße seien hiereinige Proben gegeben. Aus dem Gedicht von zwei jungenLeuten zu Weihnacht 192/j, aus dem Zille den mittlerenTeil für ein Bild entnahm: „Alle Menschen sin vaeint —"seien hier die ersten und die letzten Zeilen nachgedruckt:
„Stille Nacht, heil'je Nacht"
Und da hab'n wa jedacht,
Unsern heben alten Zillen
Woll'n wa 'n Weihnachtsjruß vapillen.
48