Druckschrift 
Das Zillebuch : mit 233 meist erstmalig veröf. Bildern
Entstehung
Seite
12
Einzelbild herunterladen
 

später zum Broterwerb geleckter, frisierter bringen mußte,"die das herbe Leben der Armen zeigten, da standen vorden Bildern viele Menschen; und ich hörte, als ich mallauschte, wie ein älterer Herr, wie es schien, Militär in Ziviloder Hauptmann an der Majorsecke, zu seiner Dame sagte:Der Kerl nimmt einem ja die ganze Lebensfreude" daschämte ich mich, so verstanden zu sein!

Ja, und wie es mir passierte, daß ein reicher Kunst jünger,derArmut" malen wollte und sich dachte, wenn er meineModelle, die vom Wedding, hätte daß er sich dann indasMilljöh" könnte hineinarbeiten, oder daß ihm die Sachedann besser hege, der aber auszusetzen hatte, der Mutterder Kinder gegenüber:Det se doch so wenig sauber undso sehr dreckig wären" und daß die Mutter ihm entrüsteterwiderte:Ja und for Zillen ken'n se jarnich dreckigjenuch sind" Soll man sich da eigentlich nicht schämen?

Da hab' ich mich, als ich das später erfuhr, doch etwasgeschämt. Und als mein lieber Freund Karl Arnold, derZeichner imSimplicissimus", ein Bild brachte, das michzeigt, wie ich vor zweiwohlhabenden" Männernunter-tänigst" stehe und der wohlhabendste mich mit den Wortenanspricht:Nehm' Se sich noch ne frische Habana, MeisterZille, Sie ham uns mit Ihren Nutten un arme Leute immaso ville Freude jemacht!"

. . . Da schämte ich mich, daß das so wahr war. - Z.

Wenn Zille auch hinterher in seinem Alter manchmal sichkränkt, daß seine Schilderungen nur als Humoristika auf-genommen werden, so hegt doch in seinem Wesen und seinerKunst so viel Humor, daß er selbstverständlich nicht nur alsElendsmaler gelten kann. Er selbst steckt so voller Eulen-spiegeleien, daß er sogar in seiner Krankheit und unter denErscheinungen des Alters seinen Humor immer wieder explo-dieren lassen muß. Näheres darüber findet der Leser in denletzten Abschnitten dieses Buches.

12