(V.) REDE TOM FRIEDEN.
EINIEITUNG.
Im Frühjahr 346 (01. 108, 2) um die Zeit der grofsen Dio-nysien war zu Athen ein Friede mit Philippos, gemeiniglich derPhilokrateische genannt, abgeschlossen worden, der, an sich eineWohlthat für das erschöpfte Griechenland, doch durch die ArtundWeise, in welcher er zu stände kam, und in seinen unmittel-baren Folgen zu einer wahren Schmach für dasselbe wurde. DieGeschichte dieses Friedens ist von Demosthenes und Äschines inden Reden περί παραπρεσβείας bis in das kleinste Detail durch-gesprochen, vom erstem auch 18,20 ff. nochmals summarisch dar-gestellt worden. Vgl. die Prolegomena. Zum Verständnis der vor-liegenden Rede genügt es die Hauptzüge daraus hervorzuheben.Der Friede ward in der Hauptsache, die beiderseitigen Bundes-genossen mit inbegriffen, auf den Status quo geschlossen und zu-erst von den Athenern angesichts der zu Athen anwesenden make-donischen Gesandten beschworen. Mittlerweile fiel Philippos inThrakien ein und eroberte das Reich des mit den Athenern ver-bündeten Königs Kersobleptes, und als er endlich nach Makedo-nien zurückgekehrt nun auch seinerseits den Friedenseid in dieHände der athenischen Gesandten niederlegte, that er dies nurunter dem Vorbehalt, mit den Athen gleichfalls befreundetenPhokern, welche er und seine Verbündeten in dem durch diePlünderung des delphischen Tempels entzündeten sogenanntenheiligen Kriege lange Zeit vergebens bekämpft hatten, für seinenTeil ein anderweitiges Abkommen zu treffen. Mit beruhigendenVersicherungen kehrten die Gesandten nach Athen zurück, gleich-zeitig aber fiel Philippos mit bewaffneter Hand in Phokis ein.