(I—III.) OLYNTH ISCHE REDEN.
EINLEITUNG.
1. Kurze Geschichte der Stadt Olynthos.
Die Stadt Olynthos lag in dem thrakischen Striche, welchervordem Sithonia hiefs, nicht weit vom Meere entfernt, das dortden toronäischen Meerbusen bildet, und etwas nördlich von demIsthmos, durch welchen dieHalbinselPallene mit dem thrakischenFestlande zusammenhängt.
Vor den Perserkriegen durch Bottiäer, die von den Make-donern aus ihren Wohnsitzen am thermaisclien Meerbusen ver-drängt worden waren, in Besitz genommen, ward sie nach derSchlacht bei Salamis, wo sie wie andere Nachbarstädte der Gewaltder Perser sich zu entziehen suchte, von Artabazos belagert underobert, ihre Bewohner niedergemacht und ihr Gebiet dem derChalkideer einverleibt, deren Vorfahren sich 160 Jahre zuvor vonChalkis auf Euböa aus dort an der thrakischen Küste nieder-gelassen hatten. Von hier au wuchs sie rasch zu bedeutenderMacht empor und galt in kurzem als Haupt- uDd Vorort deschalkidischen Städtebundes.
Olynthos schlofs sich mit den 32 Bundesstädten dem at-tisch-deli sehen Seehund an. Um diesem mit der Zeit durchden Druck der Athener unerträglich gewordenen Bundesverhält-nisse sich zu entziehen, ergriff es beim Ausbruch des peloponne-sischen Krieges die Partei der Lakedaimonier und fiel von diesenunterstützt von Athen ab. Eine Reihe von Kämpfen entspann sich,die auf der thrakischen Halbinsel von beiden Seiten mit grolserErbitterung und mit wechselndem Glücke geführt für die chalki-dischen Städte nach dem endlichen Sturze Athens nur den Erfolghatten, dafs sie den Herrn wechselten und zinspflichtigeBundesgenossen Spartas wurden. Erst der antalki-disehe Friede Ol. 98, 2. 387 machte sie frei.