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1 (1883) (IV.) Erste Rede gegen Philippos [u.a.] (I - III.) Olynthische Reden
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PROLEGOMENA.

Zwecke ein unterirdisches Gemach angelegt haben, worin er täg-lich mit Ausarbeitung rednerischer Vorwürfe, teils mit Übungder Stimme und des Vortrags eine Zeillang zubrachte, ja er sollsogar Monate lang unausgesetzt darin verweilt haben, den Kopfzur Hälfte geschoren, um nicht in Versuchung zu kommen aus-zugehen. Dort soll er auch einen mannshohen Spiegel gehabthaben, vor dem er sich übte, und da er die üble Gewohnheit hattemit der einen Schulter zu zucken, so hatte er, um sich davon zubefreien, an der Stelle, wo er stand, ein hlofses Schwert an derDecke befestigt, das ihn verwundete, so oft er zuckte. Lunge undStimme suchte er dadurch zu kräftigen, dafs er im Laufen oderAnhöhen rasch ersteigend mit anderen sich unterhielt oder Redenund Verse in einem Atem deklamierte, das Stammeln und Ansto-fsen der Zunge aber dadurch zu beseitigen, dafs er beim Sprechenkleine Steine im Munde führte. Und oft soll man ihn am Meeres-strande bei Sturm und heftiger Brandung haben gestikulieren se-hen , um Auge und Ohr an das Getümmel einer heftig bewegtenVolksversammlung zu gewöhnen. 17 ) So gewaltigen Anstrengun-gen konnte aber auch ein glücklicher Erfolg nicht fehlen. D. hatden Ruhm eines tüchtigen Redners recht eigentlich errungen,und in welchem Mafse er diesen verdiente, würde, wenn auchseine uns erhaltenen Reden nicht laut genug sprächen, schon dar-aus ersichtlich sein, dafs selbst Demades, der doch sonst nichts,was zu seinem Vorteil spricht, unangetastet läfst., auf seinen red-nerischen Ruf nichts Erhebliches zu bringen weifs, und dafs auchaus den hämischen Urteilen seines größten Feindes Äschines zurGenüge klar wird, dafs geifernder Neid Kleinigkeiten spähend her-vorzog, weil er nicht bewundern wollte. Freilich würden allejene Anstrengungen nichts gefruchtet oder ein Zerrbild geschaffenhaben, wenn D. nicht von Natur Genie und Anlage zur Bered-samkeit besessen hätte. Die Glut der Empfindung, die Kenntnisder Wort-, Satz- und Gedankenfügung hätten aus ihm nicht dengröfsten Redner des Altertums gemacht, wenn nicht die Natur undsein eigenes Genie ihm die Wege gewiesen hätte, wie er mit demAustönen seiner inneren Leidenschaft nicht ermüden, mit derkunstvollen Form nicht einschläfern würde, wie es gelänge Ge-bilde zu schallen, die in ihrer erarbeiteten Gestalt als Ganze undungeteilt erscheinen, die die Mühe der Konzeption nicht verraten,die von derselben Schönheit zeugend doch stets anderen Formen

17) Plut. Dem. 6 ff. Cic. deorat. 1,61. 260. Tusc. IV, 19,44. Quintil.X, 3, 30.