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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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Kultur als notwendig mannigfaltig, andererseits zugleich als syste-matisch gegliedert und insofern als einheitlich in sich geschlossendarstellen läßt.

Mehr als ein Problem haben wir damit selbstverständlich nochnicht erhalten, und solange wir uns auf die Kantische Philosophie,wie sie als historisches Gebilde faktisch vorliegt, beschränken, kön-nen wir weiter als zu einer Problemstellung nicht gelangen. Wirwollten ja aber auch gar nichts anderes zeigen, als das Eine: voneiner Sanktionierung der Zerrissenheit des modernen Kulturbewußt-seins durch den Kritizismus darf so wenig gesprochen werden, daßvielmehr auch mit Rücksicht auf die theoretische Vereinheitlichungdes Kulturganzen auf seinem Boden Möglichkeiten zu konstatierensind, wie keine Philosophie sie bisher bot.

Im übrigen wird, sobald wir nur das Problem verstandenhaben, das sich auf kritischem Boden ergibt, von neuem deutlich,wie notwendig es war, daß die Philosophie sich zunächst einmal andie Aufgabe machte, der Differenziertheit und Vielseitigkeit des mo-dernen Kulturlebens gerecht zu werden. Bevor nicht die Mannig-faltigkeit in der Fülle ihrer Verschiedenheiten wissenschaftlich zumausdrücklichen Bewußtsein gebracht ist, darf man eine philosophi-sche Synthese gar nicht versuchen. Ein lebendiges und um-fassendes Ganzes besteht immer irgendwie aus Teilen und ist nurals ein Ganzes von verschiedenen Teilen theoretisch zu verstehen.Ein Teil aber vermag zum lebendigen Glied nicht anders als dadurchzu werden, daß er im Ganzen die ihm eigentümliche und besondereBestimmung erfüllt. Von dem Grundsatz, daß die Einheit der To-talität stets die Einheit der Mannigfaltigkeit einer ihrem Eigenwesennach verschiedenen Teile sein muß, wird also jede Philosophie dermodernen Kultur sich leiten lassen. Tut sie das nicht, dann führtihre Einheitlichkeit nicht zu einer Harmonie des Verschiedenen inseinem Reichtum, sondern zur Monotonie und damit zur Verarmung,und darin hätten wir einen kulturphilosophischen Fortschritt überdie Vergangenheit hinaus unter keinen Umständen zu sehen.

Immer wieder ist daher zu betonen, daß Kant vor allem als Kri-tiker, d. h. als Scheidekünstler, die einzigartige Bedeutung fürdas wissenschaftliche Verständnis der modernen Kultur besitzt, undauch eine Philosophie, die im Sinne des Kritizismus Weiterarbeiten