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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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VIERZEHNTES KAPITEL

DAS PROBLEM DER LETZTEN EINHEIT

Im Anschluß hieran ist endlich noch eine schon berührte Fragezu erörtern, die aufs engste besonders mit Kants Trennung vonWissen und Glauben zusammenhängt. Es handelt sich dabei umdas, was viele für die am meisten angreifbare Eigentümlichkeit dermodernen Kultur halten werden. Das Prinzip kam zur Sprache, alswir auf den Gedanken hinwiesen, die Philosophie könne sich nichtdamit begnügen, die Differenziertheit des Kulturbewußtseins theo-retisch zum Ausdruck zu bringen, sondern müsse auch versuchen,die verschiedenen Teile der Kultur, die sich in den Zeiten der Renais-sance und der Reformation voneinander getrennt haben, wieder alsGlieder eines einheitlichen Ganzen zu sehen.

Der jetzt erreichte Zusammenhang führt uns noch einmal auf diesProblem zurück, und seine Verbindung mit ihm liegt auf der Hand.Wie man in der Philosophie nach einer Synthese sucht, so wird maneine Vereinigung zum Ganzen für die moderne Kultur selber ver-langen. Die Feindschaft, die gegen die moderne Differenziertheitbesteht, kann sich ihre wirksamsten Waffen holen, wenn sie auf dieZerrissenheit des Kulturbewußtseins hinweist, und unter diesemGesichtspunkt wird es möglich, daß auch ein Gegner der modernenKultur sich in seiner Weise auf Kant beruft, indem er ausführt, Kanthabe die Uneinheitlichkeit des modernen Kulturbewußtseins nichtnur zum Ausdruck gebracht, sondern zugleich vom Standpunkt desAutonomieprinzips in ihrer Notwendigkeit aufgezeigt. Insofernwerde gerade durch ihn deutlich, wie unmöglich es sei, bei der durchdas Autonomieprinzip verschuldeten Vielgestaltigkeit und Differen-ziertheit der Kultur als etwas Endgültigem stehen zu bleiben.

Allerdings ist nicht zu leugnen, daß es hier in mehrfacher Hin-sicht noch Probleme gibt, sowohl für das Kulturleben selbst wie auchfür seine Theorie. Die praktischen Fragen sind freilich in unseremZusammenhang nur so weit bedeutsam, als sie die wissenschaftlicheRehandlung veranlassen; aber die theoretischen Schwierigkeitenlassen sich nicht beiseite schieben, und so drängt sich denn von