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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
Entstehung
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fragt, mag, wie gesagt, dieser Gesichtspunkt sekundär und deshalbungenügend oder sehr einseitig sein. Sind wir uns jedoch der Ein-seitigkeit unseres Verfahrens und seiner sekundären Bedeutung be-wußt, dann behält unser Versuch seine volle Berechtigung, und zu-mal unsere Zeit, die geneigt ist, alle Güter der Kultur dadurch zurelativieren, daß sie sie an ihrer Bedeutung fürdas Leben mißt,wird prinzipielle Einwendungen gegen ihn nicht erheben.

ZWEITES KAPITEL

DER GESCHICHTSPHILOSOPHISCHE WEG

Welchen Weg aber sollen wir einschlagen, um zum Ziel zu kom-men ? Wir brauchen einen Rahmen, der sehr weit zu nehmen ist, sodaß er große Gebiete eines mannigfaltigen historischen Materialsumspannt. Wir müssen das Wesen der modernen Kul-tur bestimmen, um sagen zu können, was Kant für sie bedeutet,und ihr Begriff ist so zu bilden, daß wir sie in ihrer Eigenart gegendie anderen Kulturen, besonders die antike und die mittelalterliche,abgrenzen. Wir haben daher zunächst von den früheren Zeiten zureden, also Kant und seine Philosophie in den Hintergrund treten zulassen. Dabei kommen die verschiedenen Kulturen zwar nur so weitin Betracht, als sie für das philosophische Denken wichtig sind.Trotzdem sehen wir uns an eine Fülle schwieriger und umstrittenerProbleme der Geschichtswissenschaft herangeführt. Andererseitsist jedoch die Betrachtung von vornherein unter den Gesichtspunktzu stellen, daß wir durch sie Klarheit über das Wesen der KantischenPhilosophie in ihrem Verhältnis zur modernen Kultur gewinnen, unddeshalb können die Erörterungen nicht etwa den Charakter einerhistorischen Untersuchung tragen. Eine solche würde ja auch denRahmen dieser Schrift völlig sprengen.

Mit vollem Bewußtsein unternehmen wir daher eine geschichts-philosophische und insofern ungeschichtliche Konstruktion.Das ist mit Nachdruck zu betonen, schon damit es nicht von solchenLesern als Einwand gegen unsere Darlegungen geltend gemacht wird,die historische Einsichten erwarten und dann enttäuscht sein müssen.