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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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auch des Praktischen gibt. Die Probleme aber, die hierbei entstehen,sind nur von einer systematischen Philosophie aller Werte, alsonicht von der Ethik als der praktischen Philosophie, auf die Kantsich stützt, in Angriff zu nehmen.

An diesem Punkte hat denn auch die weitere Entwicklung desdeutschen Idealismus eingesetzt. Fichte gab später den Moralismusseiner ersten Religionsphilosophie selber auf, und besonders vonSchleiermacher wurde schon vorher darauf hingewiesen, daß manmit der Alternative von theoretischer und praktischer Vernunft nichtauskommt. Man suchte den Einheitspunkt in einer anderen Sphäre,die weder im Theoretischen noch im Praktischen liegt. Angeregtjedoch wurden diese und andere Gedanken alle durch Kants Kriti-zismus, ja sie waren auf seinem Boden überhaupt erst möglich. Des-wegen kann man, wie jetzt verständlich wird, die ganze BedeutungKants erst dann würdigen, wenn man die im Anschluß an ihn ent-standenen idealistischen Systeme ebenfalls überblickt. Nur von hieraus wird deutlich, was das Prinzip des Kritizismus für eine ebensoumfassende wie einheitliche Philosophie des modernen Kulturbe-wußtseins zu leisten vermag, wenn man es durchführt.

Da wir in dieser Schrift darauf verzichten, den ganzen deutschenIdealismus mit Rücksicht auf das Problem einer modernen Kultur-philosophie ins Auge zu fassen, läßt sich für das Problem einer neuenSynthese, die über das Verständnis der Differenzierung hinausführt,nichts anderes sagen als dies: die kritische Philosophie gibt durchausdie Möglichkeit einer theoretischen Vereinheitlichung von völ-lig anderer Art, als sie im Intellektualismus vorlag. Sie kann, ja siemuß ihrem Prinzip nach über die Analyse und die Trennung der ver-schiedenen Kulturgebiete hinweg nach Faktoren suchen, von denensich zeigen läßt, daß sie in j e d e m der verschiedenen Reiche vonwesentlicher Bedeutung sind, und insofern einen ihnen allen gleich-mäßig übergeordneten Charakter besitzen. Von diesen Faktoren herist dann die Einheit des Kulturlebens so zu verstehen, daß zugleichseine Mannigfaltigkeit voll gewahrt wird. Fraglich bleibt dabei nur,ob e i n letzter Begriff, der in Wahrheit nichts anderes als die allenKulturgebieten gemeinsamen und insofern übergeordneten Elementeenthält, auch noch wissenschaftlich fruchtbar zu machen ist, so daßsich mit seiner Hilfe einerseits die Differenzierung der modernen