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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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DREIZEHNTES KAPITEL

GLAUBEN UND WISSEN

Die Tragweite von Kants religionsphilosophischen Gedanken fürdie Probleme einer Philosophie der modernen Kultur übersehen wiram besten, wenn wir die inhaltlichen Bestimmungen, die darin fürdie Eigenart des religiösen Gebietes enthalten sind, zunächst beiseitelassen und nur darauf achten,, wie Kant, seinem antiintellektualisti-schen Prinzip entsprechend, dem religiösen Leben in der Kulturüberhaupt eine Sonderstellung gibt, durch die es völlig unabhängigvon aller Erkenntnis der Welt durch den theoretischen Intellektwird. Schon dadurch entspricht der Kritizismus dem modernenKulturbewußtsein, wie es seit der Reformation entstanden ist, sounbefriedigend in anderer Hinsicht Kants Auffassung der Ei-genart des religiösen Lebens auch sein mag. Wir müssen also ver-stehen, wie es Kant gelingt, den Glauben vom Wissen so zu trennen,daß dadurch der religiöse Mensch mit Rücksicht auf sein Verhältniszur modernen Wissenschaft volle Freiheit für die Entfaltung seinesunmittelbaren Verhältnisses zu Gott bekommt. Das darf man überder unbefriedigenden Auffassung des Verhältnisses von praktisch-rationalem und religiösem Leben nicht vergessen, falls man KantsStellung zur modernen Kultur vollständig würdigen will.

Eine Darstellung von Kants Religionsphilosophie, welche so ver-fährt wie unsere Darstellung seiner Wissenschaftslehre und seinerEthik ist hier schon deshalb ausgeschlossen, weil in der Tafel derverschiedenenSeelenvermögen religiösePrinzipien und ein ihnenentsprechendesProdukt keine besondere Stelle haben. Wir hal-ten uns daher an das Ganze der Kantischen Philosophie, um es mitRücksicht darauf zu betrachten, welchen Ort der religiöse Glaubeüberhaupt im Gesamtleben des Menschen nach Kant besitzt.

Damit ist wieder nicht gemeint, wo im faktischen Seelen-leben die Religion als psychischer Vorgang neben den anderen psychi-schen Vorgängen unterzubringen ist, denn diese Frage hätte für einePhilosophie der Kultur keine prinzipielle Bedeutung. Der Glaubemuß vielmehr von vorneherein alsVerbindung (religio) des Men-