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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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wird das Interesse hieran sogar das ursprüngliche sein. Der Zeit-ibschnitt der Entwicklung mag dabei mehr oder weniger umfassendjenommen werden. Es können Tage oder Jahre, Generationen oderWeltalter sein, für welche die Bedeutung eines philosophischen Ge-lankens festgcstellt werden soll. Immer bleibt es ein einmaliger,seitlich begrenzter Abschnitt, zu dem man den zeitlosen Wahrheits-gehalt in Beziehung setzt, und stets verknüpft man dadurch unsinn-ich Verstehbares mit sinnlich Wahrnehmbarem, beläßt also denEwigkeitsgedanken der Philosophie nicht in seiner Reinheit.

Auf den folgenden Blättern wird das Denken Kants unter diesemGesichtspunkt behandelt, d. h. nicht mit Rücksicht auf seinen über-zeitlichen Gehalt dargestellt, sondern wir fragen mit bewußter Be-schränkung lediglich danach, was Kant über die geschichtlicheEpoche, in der wir leben, und die wir die moderne nennen, als Philo-soph uns zu sagen hat. Das bedeutet es, wenn wir von Kant als demPhilosophen der modernen Kultur reden.

ERSTES KAPITEL

DIE FRAGESTELLUNG

Damit sogleich klar wird, was solche Betrachtungsweise im Unter-schied von der rein theoretischen grade für Kant bedeuten kann, be-ziehen wir seine Philosophie zunächst einmal nur auf die unmittel-bare Gegenwart des Tages. Kants zweihundertster Geburtstag gibtüberall in Europa, ja weit darüber hinaus, Veranlassung, diesen Den-ker in Wort und Schrift zu feiern. Wie kommt es, daß heute einemPhilosophen sich das Interesse weiter Kreise zuwendet, wie es sonstMännern der Wissenschaft nicht zuteil wird, und daß dies Interessezweihundert Jahre nach Kants Geburt dem Anschein nach noch imWachsen begriffen ist?

Man kann hören, Kant seider größte Denker der modernenWelt, und wenn irgendwo so ist bei ihm ein Superlativ am Platz:auch die Gegner seiner Gedanken legen durch die Leidenschaftlich-keit, mit der sie ihn manchmal bekämpfen, Zeugnis für seine einzig-artige Bedeutung ab. Ja sogar die Gehässigkeit, welche seine Feinde

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