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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
Entstehung
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ZEHNTES KAPITEL

KRITIZISMUS UND MODERNEWELTANSCHAUUNG

Jetzt sind wir endlich so weit, daß wir von der Philosophie Kantssprechen können, um zu zeigen, wie sie sich zum modernen Kultur-bewußtsein verhält, oder inwiefern sie als dessen theoretischer Aus-druck zu betrachten ist. Dies Ziel faßten wir bei unserer Unter-suchung von vorneherein ins Auge, und alle Ausführungen standenschon bisher in seinem Dienst. In den meisten Kapiteln war freilichausdrücklich von Kant entweder gar nicht oder nur gelegentlich dieRede. Trotzdem hatte jeder Satz den Zweck, auf das vorzubereiten,was jetzt über Kant zu sagen ist. Mögen daher auch die Kant selbstgewidmeten Kapitel quantitativ nur einen kleinen Teil der Schriftausmachen, so hört darum das Ganze nicht auf, ein Buch über Kantzu sein. Dadurch allein war die geschichtsphilosophische Konstruk-tion, die wir versucht haben, wissenschaftlich zu rechtfertigen.

Durch die Absicht, das Verhältnis von Kants Denken zur mo-dernen Kultur klarzulegen, rechtfertigt sich nun auch die folgendeDarstellung von Kants Philosophie. Noch einmal sei daran erinnert,daß nicht ihr zeitloser Wahrheitsgehalt in Frage steht, und daß nichtdie mit Rücksicht auf ihn wesentlichen Gedanken in den Vorder-grund treten. Die Beziehung vielmehr zu der besonderen Zeit, diemit dem Auseinandertreten von wissenschaftlichem, politischemund religiösem Leben in der Epoche der Renaissance und der Re-formation beginnt, ist überall entscheidend. So wird die Darstellungwieder bewußt unvollständig und einseitig.

Dazu kommt noch etwas anderes, das die Auswahl des Stoffesbestimmt. Auch von den Gedanken Kants, die zum Problem dermodernen Kultur in Beziehung gebracht werden können, berück-sichtigen wir nur einen Teil. Während wir nämlich sonst die Philo-sophie Kants, soweit die Sache es erlaubt, in ihrer Bedeutung fürdie Probleme der geschichtlichen Kultur ins Auge fassen,kommt es innerhalb seiner Kulturphilosophie selber darauf an, Kantvon den bloß geschichtlichen Beziehungen zu seiner eigenen