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Der Inhalt dessen, was wir durch die Wissenschaft zum Ausdruckbringen wollen, muß also begrifflich bestimmt sein, damit alle, dieunsere Worte hören oder lesen, ihren Sinn als denselben ver-stehen. Ohne die logische Form der Identität des Begriffsinhaltes imUnterschied von den vielen und schwankenden „Vorstellungen“ dereinzelnen Individuen gibt es auch heute keine für alle gültige Er-kenntnis eines gemeinsamen Gegenstandes. Daher ist nicht einzu-sehen, wie die Wissenschaft jemals ohne bestimmte Begriffe auskom-men soll. Auch mit Bücksicht hierauf bleiben wir notwendig dieNachfolger der in Begriffen denkenden griechischen Philosophen.
So sind wir zu einem entscheidenden Ergebnis gelangt. Zuerstsahen wir, daß in Griechenland die Wissenschaft als reales Kulturgutaus Sätzen bestand, deren Worte sie mit Begriffen verknüpfte unddadurch die um ihrer selbst wallen gesuchte Wahrheit über den Zu-sammenhang der Gegenstände des Erkennens zum eindeutigen Aus-druck brachte. Jetzt muß klar geworden sein, daß es mit keiner Wis-senschaft anders stehen kann. In den drei Faktoren des theoreti-schen Menschen, des mythenfreien Zusammenhanges und der Be-stimmung des Begriffs als des Erkenntnismittels haben die Griechen |ein Kulturgut herausgearbeitet, welches zeitlose Bedeutung besitzt,d. h. gültig ist für alle Zeiten, und an dem wir daher festhalten müs-sen, solange wir überhaupt Wissenschaft treiben wollen.
FÜNFTES KAPITEL
DER GRIECHISCHE INTELLEKTUALISMUS
Doch mit allen diesen Ausführungen ist die wichtigste Seite desProblems, das die griechische Philosophie uns stellt, noch nicht be-rührt. In Griechenland hat sich nicht allein die theoretische For-schung, sondern im Zusammenhang mit ihr auch eine umfassendeWeltanschauung entwickelt, aus der sich eine bestimmte Stellungdes Menschen zum Universum und dementsprechend des Philoso-phen zur Totalität der Kultur ergibt. Dadurch ist das Griechentumnicht minder als durch die bisher genannten Faktoren von Bedeu-