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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
Entstehung
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welche alles mein Denken begleitet, und ohne deren tiefes Gefühl ichnicht einmal auf das Spekulieren ausgehen könnte, schlechterdingsunerklärbar sein.Es gibt keinen festen Standpunkt als den an-gezeigten, nicht durch die Logik, sondern durch die moraliche Stim-mung begündeten. So kann Fichte sagen, daßjene Weltordnung{an die wir religiös glauben) das absolut erste aller objektiven Er-kenntnis ist, oder daß die religiöse Ueberzeugung alle Ueber-zeugungen trägt, die wissenschaftlichen mitinbegriffen. Der Glaubeist mehr als Wissen, ist gewisser als alles Wissen.

Damit kennen wir genug von Fichtes Gedanken und können jetztihren Zusammenhang mit unserem Thema genauer ins Auge fassen.Zunächst läßt sich nicht bezweifeln, daß Fichte, wenigstens formal,eine Einheit zwischen zwei Gebieten hergestellt hat, die für die Ein-heitlichkeit der gesamten Weltanschauung von Bedeutung sein muß.Es gibt in ihr jetzt nicht mehr zwei letzte Fundamente, die theo-retische und die praktische Vernunft, und es gibt sie deshalb nicht,weil die praktische Vernunft die Grundlage auch für die theoretischeist. Religionsphilosophisch bedeutet das: der wissenschaftlicheMensch hat nun volle Freiheit zum Forschen auch mit Rücksichtauf den Glauben. Es besteht keine Möglichkeit, daß er clabei jemalsmit der Religion in Konflikt kommt, denn er würde die Grundlageseiner eigenen Tätigkeit zerstören, falls er sich gegen den Glaubenwendete. Auch der religiöse Mensch hat daher keinen Grund mehr,die Wissenschaft als Beeinträchtigung seiner Ueberzeugungen zufürchten. Religion und Wissenschaft bleiben getrennt und sind dochzugleich verbunden, aber so daß die Autonomie der einen die der an--deren nie stören kann.

Ferner wird man nicht in Abrede stellen, daß solche Gedanken-gänge durchaus in der Richtung liegen, die bereits Kant selber ein-geschlagen hatte. Fichte war im Recht, wenn er meinte, im GeisteKants zu arbeiten. Die Lehren, die er im Atheismusstreit vertrat,sind auf dem Boden des Kritizismus erwachsen, und wie man überihre inhaltliche Richtigkeit denken mag, zeigen sie jedenfalls: daskritische Prinzip der Philosophie braucht nicht so ausgestaltet zuwerden, daß es dazu dient, dieZerrissenheit des modernen Be-wußtseins als etwas Endgültiges theoretisch zu rechtfertigen. Esgibt vielmehr im Kantischen Kritizismus selber grundsätzlich die