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ihrer Wahrheit aber liegt in einem Gefühl, das wir anerkennen sollen,und wo diese „kalte Billigung“, wie Fichte charakteristisch sichausdrückt, nicht vorhanden ist, da gibt es auch keine theoretischeUeberzeugung. Alle Ueberzeugung ist daher nach Fichte praktisch.„Ich soll mich überzeugen“, sagt er einmal. Ohne den praktischenWillen zur Ueberzeugung ist nichts für mich wahr und gewiß. Jedestheoretische Urteil, das auf Wahrheit Anspruch erhebt, setzt alsoden praktischen Willen zur Wahrheit als letzten Grund der Gewiß-heit voraus. Ein sittliches Wollen im weitesten Sinn, ein Wollen,das ein Sollen anerkennt, ist die Basis nicht nur für den sittlichwollenden, sondern auch für den theoretisch denkenden Menschen.
So verstehen wir: es wird hier nicht wie im Intellektualismus dasTheoretische dem Praktischen, sondern umgekehrt das Praktischedem Theoretischen übergeordnet und dadurch die Einheit von bei-den hergestellt. Trotzdem ist keine Rede davon, daß durch die Vor-herrschaft des Praktischen das Theoretische nicht zu seinem vollenRechte käme, und deshalb liegt hier eine prinzipiell andereArt der Synthese vor als im griechischen Intellektualismus.Mit Hilfe der Lehre vom Primat des Sittengesetzes vor der theo-retischen Vernunft, aus der etwas im Erkenntnisvermögen selbstgefolgert wird, kann Fichte auf dem Boden seines religionsphilo-sophischen Moralismus für den religiösen Glauben, obwohl er seinemWesen nach etwas völlig Atheoretisches bleibt, die denkbar höchsteGewißheit in Anspruch nehmen und damit sein Recht dem Wissengegenüber außer Frage stellen. Auch er trennt also Wissen undGlauben voneinander, aber nicht so, daß er sie unvermittelt neben-einander stehen läßt, denn dadurch wäre eine Einheit unserer Welt-anschauung niemals zu erreichen. Er zeigt vielmehr, inwiefern derGlaube, sobald wir das Wort weit genug nehmen, die Basis sogarfür das Wissen ist. Damit fand er dann den Punkt, „der Denkenund Wollen in eins vereinigt und Harmonie in mein Wesen bringt“.
Das hat er auch so zum Ausdruck gebracht: „Das Element allerGewißheit ist Glaube.“ Obwohl also die Religion auf der praktischenVernunft beruht, ist sie darum doch nicht „nur“ Glaube, d. h. einFürwahrhalten, dem irgendeine andere Ueberzeugung durch ihreGewißheit neben- oder gar übergeordnet werden könnte, sondernohne den religiösen Glauben würde „selbst diejenige Gewißheit,