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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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ihr gegenüber den wahren Kern der Kantischen Lehre herauszu-arbeiten. Dieser Kern aber war der Gedanke einer letzten Einheit.

Fichte setzte die Gottheit der moralischen Weltordnung gleich undbestimmte das Wesen des religiösen Glaubens so, daß nach ihm jedewahrhaft gute Handlung gelingen, jede böse sicher mißlingen muß.Theoretische Beweise für solchen Glauben gibt es jedoch nicht, jajeder Versuch eines Beweises führt uns sogar von Gott weg, dennnicht in der theoretischen, sondern in der praktischen Vernunft fin-den wir die Grundlage für die Religion. Die letzte Basis unseresGlaubens ist das Gewissen. Trotzdem gibt es ein übergreifendesBand für Glauben und Wissen, denn der Glaube steht nicht un-vermittelt neben der theoretischen Erkenntnis und ist auch nichtnur für den praktischen Menschen notwendig. Er erweist sich viel-mehr als ein im Wesen der Vernunft überhaupt begründetes Für-wahrhalten, für das Fichte nicht allein volle Gewißheit in Anspruchnimmt, sondern das er für das Gewisseste erklärt, was es überhauptgibt, obwohl es theoretisch unbeweisbar bleibt. So will er zwar seinenGlauben, d. h. die Annahme einer moralischen Weltordnung, nichtlogisch begründen, aber nur deswegen lehnt er alle Beweise dafürab, weil er eine viel größere Gewißheit besitzt, als irgendein theo-retischer Beweis sie ihm geben könnte. Trotz aller Trennung desWissens vom Glauben wird jeder störende Gegensatz zwischen bei-den aufgehoben, und von einer bloßen Nebeneinanderstellung, diemit dem Bedürfnis nach Einheit unverträglich wäre, kann keineRede mehr sein.

Die Gedanken, die hierfür entscheidend sind, finden sich bei Fichtezum erstenmal im System der Sittenlehre vom Jahre 1798, und esempfiehlt sich, daß wir sie uns in der Hauptsache mit Fichtes eigenenWorten vergegenwärtigen. Sie enthalten den in unserem Zusammen-hänge prinzipiell bedeutsamen Versuch, die theoretische und diepraktische Vernunft, also die letzten Grundlagen des Wissens unddes Glaubens, auf dem Boden des Kritizismus miteinander so zuverbinden, daß von einer einheitlichen Gesamtphilosophie gespro-chen werden muß. Den Weg zu Kant selbst werden wir von hieraus leicht wieder zurückfinden.

Nach Fichte ruht die Religion auf unserem Gewissen und gehtvon unserem pflichtmäßigen Verhalten aus. Er sucht nun zu zeigen,