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der Kulturpliilosophie läßt sich so herstellen, daß man einem Kultur-gebiet die Vorherrschaft einräumt und dann die anderen ihm unter-ordnet. So kommt man ebenfalls zu einem in sich geschlossenenGanzen. Doch auch hier bleibt nicht mehr jeder Weg gangbar. Fürden modernen theoretischen Menschen darf die Instanz, welche durchihre Vorherrschaft die Einheit der Kulturtotalität bringen soll,nicht eine der um ihre Autonomie ringenden und deshalb mit-einander kämpfenden Parteien sein. Insofern ist die Rückkehrzu einer Synthese, wie sie z. B. im griechischen Intellektualismusvorlag, ausgeschlossen, und ebensowenig können wir eine andere Artder Zusammenfassung wünschen, die dazu führt, daß im Ganzen derKultur das eine Wertgebiet auf Kosten der anderen über-wiegt. Es läßt sich also im Besonderen die Einheit von Wissen undGlauben, auf die wir uns beschränken wollen, unter keinen Um-ständen so wieder herstellen, daß man den Glauben in Wissen auf-löst, und noch weniger dürfen wir in der Wissenschaft daran denken,das Wissen in seiner Autonomie irgendwie durch atheoretisch reli-giöse Gesichtspunkte in seiner freien Entfaltung zu hemmen.
So muß klar sein: nur eine neue Art der Synthese, diees bisher noch nicht gab, führt uns weiter, eine Synthese, die, wiewir schon früher bemerkten, insofern ebenfalls „kritisch“ genanntwerden darf, als sie die in ihr vereinigten Bestandteile zugleich inihrem Sonderwesen und in ihrer Selbständigkeit bewahrt. Die ver-schiedenen Kulturgebiete bleiben dann also zugleich notwendiggegeneinander abgegrenzt. Welche Art von Einheit ist unter solchenBedingungen noch möglich? Sie allein kann die Einheit sein, dieinnerhalb einer Philosophie der modernen Kultur Platz hat.
Es empfiehlt sich, daß wir zur Klärung dieser Frage nicht sogleichauf die Kantische Philosophie selbst eingehen, sondern an Gedankenanknüpfen, die Fichte entwickelte, als er im Atheismusstreit ge-nötigt war, das Verhältnis von Wissen und Glauben theoretisch zuerörtern J ). Er wollte es im Sinne des Kantischen Kritizismus tun,und es kam für ihn besonders darauf an, die Forbergsche Philosophiedes Als-Ob, die sich ebenfalls auf Kant berief, zurückzuweisen, um
1) Vgl. hierzu meine Abhandlung: Fichte’s Alheismusstreit und die Kan-tische Philosophie 1899. [Kantstudien.] Wieder abgedruckt mit einem Nach-tragin: Kritizismus, eine Sammlung von Beiträgen zum Neukantianismus. 1924.