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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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Trennüng der verschiedenen Kulturgebiete zum Ausdruck kommt,und da diese moderne Kultur, wie sie seit den Zeiten der Renaissanceund der Reformation einsetzte, bis heute noch nicht überall voll-ständig durchgedrungen ist, sondern um ihre Eigenart zu kämpfenhat, müssen die Leidenschaften, die in diesem Kampf erweckt wer-den, sich auf die Stellung zu Kant übertragen, ja es konnte diekantische Philosophie unter Umständen ebenso zu einem Objektdes Kampfes werden wie die moderne Kultur selbst.

Das gilt in mehrfacher Hinsicht. Vor allem aber hat die Verselb-ständigung der Wissenschaft, des Staates und der Religion noch heutenicht nur ihre begeisterten Vertreter, sondern ebenso ihre Feinde.Daher kann es gar nicht ausbleiben, daß sich sowohl die Liebe alsauch der Haß auf den Denker überträgt, dessen Philosophie zumerstenmal die Möglichkeit gibt, diese spezifisch modernen Kultur-tendenzen theoretisch zu verstehen und sie damit, soweit die Wissen-schaft das überhaupt vermag, zugleich zu rechtfertigen. So un-modern Kant erscheint, wenn wir an dieLebensphilosophie derTagesmode denken, so modern erweist er sich als Theoretiker derKultur, die seit Jahrhunderten für volle Autonomie des wissen-schaftlichen, des politischen und des religiösen Lebens kämpft, undwie diese moderne Kultur heute noch auf Gegner der verschiedenstenArt stößt, die ihre Sonderinteressen durch die freie Entfaltung derübrigen Kulturarbeit gefährdet glauben, so muß auch gegen Kantals den Philosophen des Autonomieprinzips Gegnerschaft der ver-schiedensten Art entstehen. Das braucht im einzelnen für daswissenschaftliche, das staatliche und das religiöse Leben nicht weiterausgeführt zu werden. Alles, was darüber zu sagen wäre, ergibt sichaus unseren Darlegungen von selbst, wenn einmal die Aufmerksam-keit auf den entscheidenden Punkt gelenkt ist. Wer für die moderneKultur in ihrer Mannigfaltigkeit eintritt, findet in Kants Philosophieder autonomen Wissenschaft, der autonomen Ethik und der vomWissen befreiten Religion einen Rundesgenossen. Wie sollte daherdie kantische Philosophie nicht auch ihre Feinde im Lager derjenigenhaben, die mit der modernen, d. h. differenzierten Kultur unzufrie-den sind?