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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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Der Begriff des freiwilligen Gehorsams überhaupt, der beide mit-einander verbindet, genügt für sich allein nicht, um eine wesentlicheVerbindung zwischen Kants und Luthers religiöser Weltanschauungherzustellen, denn dieser Begriff wird, wie wir schon sahen, ohne Be-ziehung auf einen besonderen, entweder religiösen oder sozial-ethi-schen Gehalt so leer, daß er auch durch ästhetische oder theoretischeWerte erfüllt werden kann und sich daher zur Charakterisierungeines Sondergebietes der Kultur in seinem Unterschiede von anderennicht eignet.

Dies führen wir jedoch nicht weiter aus, da es sich auf die GrenzenKants bezieht und hier die Größe des Kritizismus in Frage steht.Kants Grenzen sind für uns nur soweit wichtig, als sie seine Größegenauer bestimmen, und mit Büclcsicht auf das, was wir zeigenwollten, bleibt es dabei: Kant hat nicht allein die allgemeine Grund-lage für eine Philosophie der modernen Kultur geschaffen, sondernauch für einzelne ihrer Teile Entscheidendes im Sinn einer Lehreausgeführt, welche der Differenzierung des modernen Kulturbewußt-seins entspricht. Diese seine Leistung ist in positiver Hinsicht sogroß, daß man die Schranken, innerhalb deren sie liegt, nicht zu ver-schweigen braucht. Der Zweck des Buches, ihre Bedeutung undTragweite zum Bewußtsein zu bringen, darf als erreicht gelten.

Jetzt läßt sich auch die Frage beantworten, von der wir aus-gegangen sind. Es mußte auffallen, daß ein Mann der strengenWissenschaft, wie Kant es durch sein ganzes Leben war, in weiterenKreisen so lebhafte Teilnahme fand und findet, ja leidenschaftlichgeliebt und gehaßt wird. Aus dem theoretischen Ewigkeitsgehaltseiner Philosophie allein kann man das nicht verstehen. Weder seineErkenntnislehre, noch seine Ethik, noch seine Philosophie der Kunst,noch endlich seine Beligionslehre ist, solange man jede für sich be-trachtet, geeignet, zu einer andern als rein theoretischen Partei-nahme herauszufordern. Reflektiert man dagegen auf das eigen-tümliche Verhältnis, in das durch Kant die verschiedenen Kultur-gebiete zueinander gebracht werden, dann versteht man leicht, wa-rum seine Philosophie sowohl auf eine Zustimmung wie auf eineAblehnung stößt, die nicht mit einer rein theoretischen Bejahungoder rein theoretischen Verneinung zusammenfällt. Da, wie wirzeigen konnten, in ihr die für die moderne Welt charakteristische