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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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dazu führten, das Verhältnis von Glauben und Wissen in der Art zubestimmen, daß dabei entweder der Eigenwert des Wissens oder derEigenwert des Glaubens verloren ging, sind zerstört, und das bleibtetwas Negatives.

Aber für die Theorie der Religion ist trotzdem viel gewonnen, be-sonders wenn man an ihre irrationalen Momente denkt. Brauchtman doch jetzt gar nicht mehr danach zu f r a g e n , ob die Reli-gion mit dem begründbaren Erkennen oder mit einer wahrschein-lichen Meinung zusammenfällt, oder ob sie vielleicht dem logischBegründbaren widerspricht. Alle diese Probleme haben ihren Sinnverloren, und damit ist endlich das Feld frei gemacht für eine Philo-sophie der Religion, diekritisch in der Art verfahren kann, daßsie zwischen den verschiedenen Gebieten der Kultur von vornhereinGrenzen zieht, um ihre Vielseitigkeit und ihren Reichtum zu ver-stehen. Darin steckt die außerordentliche Bedeutung, die KantsPhilosophie auch für eine im besten Sinne des Worts moderne Theo-rie der Religion besitzt, und es bedarf nach unseren früheren Aus-führungen keines Nachweises mehr, daß kein Denker vor Kant derReligionsphilosophie eine solche Möglichkeit geben konnte.

Ausdrücklich hervorzuheben ist noch, daß auch Kants Ausfüh-rung der Religionsphilosophie seine strenge Trennung von Wissenund Glauben, d. h. von theoretischem und atheoretisch religiösemLeben, nicht etwa in Frage stellt. Darüber besteht allerdings nichtüberall volle Klarheit, und das hängt wieder damit zusammen, daßman theoretischen Intellektualismus und praktischen Rationalismusnicht genügend auseinanderhält. Die Wichtigkeit unserer Schei-dung für das Verständnis Kants tritt an dieser Stelle besonders her-vor. Gewiß finden sich in Kants Religionsphilosophie rationalistischeZüge, die zur Kritik herausfordern. Aber die scharfe Abgrenzung desreligiösen Glaubens von allem theoretischen Wissen wird dadurchnicht berührt, denn der Grundwert, von dem her das religiöse Lebenseinen Sinn bekommt, bleibt gerade nach Kant so untheoretisch wiemöglich. Man kann es nicht schärfer hervorheben, als Kant es getanhat: nicht die theoretische, sondern die praktische Vernunft ent-scheidet in religionsphilosophischen Fragen.

Es bleibt also nach Kant auch im Einzelnen dabei: das, woran derreligiöse Mensch glaubt, ist nichtwahr in der theoretischen Be-

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