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enthalten schon besondere Anwendungen des in der Vorrede formu-lierten allgemeinen Prinzips auf einzelne religionsphilosophischeProbleme.
Bedürfte es noch eines Beweises, daß Kants viel zitierter Satzeinen erkenntniskritischen Sinn hat, der mit dem Grundgedankender Kritik der reinen Vernunft genau übereinstimmt und nur die An-wendung auf das Problem der Religion bedeutet, das Kant von vorn-herein im Auge hatte, ja das ihm vielleicht das wichtigste war, sobraucht man nur an die Worte zu denken, die sich unmittelbar an-schließen: „Der Dogmatismus der Metaphysik, d. h. das Vorurteil,ohne die Kritik der reinen Vernunft in ihr fortzukommen, ist diewahre Quelle alles der Moralität widerstreitenden Unglaubens, derjederzeit gar sehr dogmatisch ist.“ Kant hätte auch sagen können: ichmußte den Dogmatismus der Metaphysik durch die Kritik der reinenVernunft aufheben, um die Quelle des Unglaubens zu verstopfen.
So schließt sich an die kritische Ueberwindung des In-tellektualismus unmittelbar die Möglichkeit einer positiven Würdi-gung des außerintellektuellen Lebens an. Das Band, welches dietheoretische Erkenntnis mit dem religiösen Glauben so verbindetwie in der Weltanschauung des Griechentums, wird zerschnitten unddamit zugleich dem atheoretischen Leben die Freiheit gegeben, diees braucht. Das ist der letzte Sinn des Kantischen Denkens mitRücksicht auf eine Philosophie der modernen Kultur auch für ihreStellung zur Religion.
Das muß scharf herausgearbeitet werden, damit Einzelheiten derReligionsphilosophie Kants den entscheidenden Grundgedankennicht verdecken. Andererseits ist klar: fassen wir das antiintellek-tualistische Prinzip so allgemein, dann gibt es der Philosophie zu-nächst nur die Möglichkeit einer positiven Würdigung deratheoretischen Kultur und leistet für ein positives Verständnis derEigenart des religiösen Glaubens in seiner inhaltlichen Besonderheitnoch nichts. Es sind durch die theoretische Philosophie lediglichHindernisse hinweggeräumt, die einer umfassenden Philosophie dergesamten Kultur im Wege stehen, und allein mit Rücksicht hieraufist die letzte Tendenz des Kantischen Denkens auch religionsphilo-sophisch in demselben Sinn modern wie seine Philosophie des sitt-lichen und des künstlerischen Lebens. Die Voraussetzungen, die