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kal abgelehnt, und Kant denkt auch nicht daran, den Inhalt desGlaubens für etwas Wahrscheinliches im Sinne der theoretischenWissenschaft zu halten. Ebenso aber liegt ihm die Umdeu-tung der Religion in einen Glauben an etwas Widervernünftiges fern.Ja darauf kommt es ihm vor allem an, Platz für einen Glauben zubekommen, dem nicht der geringste Widerspruch anhaftet, der alsoauch insofern völlig außerhalb der theoretischen Sphäre zu suchenist. In diesem Sinn allein wollte er das Wissen „aufheben“, wie ersagt, d.h. er wollte das Gebiet des Glaubens völlig der Herrschaft destheoretischen Erkennens entziehen. Das aber war nur dadurch mög-lich, daß er zeigte: der religiöse Mensch glaubt an etwas, das er nichtnur faktisch nicht weiß und auch nicht als theoretisch wahrschein-lich begründen kann, sondern das zum Gegenstand des Wissens unddes theoretischen Fürwahrhaltens zu machen, überhaupt keinenSinn mehr hat.
So verstanden bleiben die Kantischen Worte in voller Ueberein-stimmung mit dem Ganzen seines antiintellektualistisch gerichtetenDenkens, und so allein dürfen wir sie daher verstehen. Niemalskonnte es Kant in den Sinn kommen, ein Wissen aufheben zu wollen,das irgendwie auf Objektivität begründeten Anspruch hatte. Erblieb stets ein theoretischer Mensch, und das Wissen, welches diesenNamen verdient, hat er höchstens in dem Sinn „aufgehoben“, wieHegel das Wort gebraucht, nämlich so, daß er es bewahrte, ja aufeine höhere Stufe hob. Damit aber hängt dann notwendig zusam-men, daß andererseits der Schein des Wissens, d. h. die Illusion,als sei ein Wissen von dem möglich, woran wir religiös glauben,gründlich vernichtet werden mußte, und mit Rücksicht hieraufhat das Wort „aufheben“ dann in der Tat die rein negative Be-deutung.
Man muß also die berühmten Worte Kants in engsten Zusammen-hang mit seiner Wissenschaftslehre bringen. Sie stehen ja auch inder Vorrede zur zweiten Auflage der Kritik der reinen Vernunft, unddort gehören sie hin. Sie enthalten im Grunde nichts anderes als dieKonsequenz, die sich unmittelbar aus Kants Theorie des Erkennensergibt, sobald man an die Bedeutung der Transzendentalphilosophiefür eine Theorie der Religion denkt. Die Sätze der transzendentalenDialektik sagen dann dasselbe, genauer: sie sagen mehr, denn sie
Bickert, Kant. 13