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gion. Solch eine Auffassung, nur meist weniger witzig formuliert,kann man heute noch vielfach finden. Was Kant zuerst kühn zer-störte, das stellte er später ängstlich wieder her.
Dagegen wird andererseits behauptet, mit der Kritik der altenMetaphysik und der Gottesbeweise sei es Kant nie recht ernst ge-wesen. Der Schwerpunkt seiner Weltanschauung habe vielmehrimmer in einer Erkenntnis der übersinnlichen Realität und der Gott-heit gelegen. Nur die äußere Form dieser Erkenntnis zeige sich ver-ändert. Im Grunde habe Kant durch sein ganzes Leben an einerübersinnlichen Welt in dem Sinne, wie etwa Leibniz sie sich dachte,festgehalten. Gewiß könne man nach Kant eine solche Metaphysiknicht streng beweisen, aber sie sei immerhin wahrscheinlich, alsoauch theoretisch glaubhaft, und so lasse sich der religiöse Glaubedurch die Philosophie theoretisch rechtfertigen.
Beide Meinungen, die ältere und die neuere, sind untereinander ge-wiß sehr verschieden, und doch kommen sie insofern auf dasselbehinaus, als sie Kant intellektualistisch interpretieren und damit to-tal verfälschen. Kant hat nicht nur den klassischen Intellektualis-mus des Griechentums abgelehnt, sondern es lag ihm auch fern, denreligiösen Glauben als etwas theoretisch Wahrscheinliches anzu-sehen. Logische Gründe entscheiden für ihn auf diesem Gebiet über-haupt nicht. Das ist das Wesentliche, nicht eine theoretische Wider-legung oder Unterstützung des Glaubens. Hält man daran fest, dannversteht man: Kant hat in der Kritik der praktischenVernunft nichtsvon seiner Kritik an den theoretischen Gottesbeweisen zurückge-nommen, und ebensowenig wird man meinen, es sei ihm mit dieserKritik nicht recht ernst gewesen, so daß er seiner letzten Ueberzeu-gung nach wie die Denker vor ihm zu den Metaphysikern gerechnetwerden müsse. Gewiß finden sich Einzelheiten in seinen Werken, dieinkonsequent oder mißverständlich sind, aber sein religionsphilo-sophisches Grundprinzip wird dadurch nicht berührt, und diesessteht jedem Intellektualismus, dem positiven, dem abgeschwäch-ten und dem negativen gleichmäßig entgegen.
Erst wenn das klar ist, versteht man Kants oft zitierte unddoch nur selten gewürdigte Worte: „Ich mußte das Wissen aufheben,um zum Glauben Platz zu bekommen“. Damit wird jeder Gedankean eine inhaltliche Uebereinstimmung von Wissen und Glauben radi-