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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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für identisch mit dem Inhalt des theoretisch Gewußten oder Wahr-scheinlichen halten, und ebenso muß ihm der Gedanke, daß er etwaslogisch sich Widersprechendes glaube, fern liegen. Alle solche An-sichten, mögen sie positiv oder negativ intellektualistisch sein, sinderst durch die Philosophie in das christlich-religiöse Leben hin-eingetragen. Deswegen kommt beim Verständnis der ur-sprünglichen christlichen Religion und ihrer Stellung in der moder-nen Kulturwelt alles darauf an, daß weder ein positiver noch einnegativer Intellektualismus für die Theorie des religiösen Glaubensmaßgebend wird.

Bewegt nun Kants religionsphilosophisches Denken sich wirklichin einer in dem angegebenen Sinne alsmodern zu bezeichnendenRichtung ? Wie wenig er ein positiver Intellektualist in der Art desGriechentums war, haben wir gesehen. Doch liegt auch jeder abge-schwächte Intellektualismus der Wahrscheinlichkeit ihm fern, unddas ist noch ausdrücklich zu zeigen, weil gerade in dieser HinsichtIrrtümer weit verbreitet sind. Sie bestehen in zwei verschiedenenFormen, in einer älteren und in einer neueren, und beide sind abzu-lehnen.

Die ältere Ansicht kommt darauf hinaus, Kant habe zunächst andem religiösen Glauben eine unbarmherzige Kritik geübt, indem eralle Beweise für religiöse Wahrheiten schonungslos zerstörte, seidann aber auf halbem Wege stehen geblieben, habe also doch wiederaus irgendwelchen nicht näher zu bezeichnenden Gründen den reli-giösen Glauben theoretisch zu retten versucht. Die Meinung dürftebei den meisten ihrer Vertreter von Heinrich Heine stammen, der ihrschon 1834 in einer für die Franzosen geschriebenen Darstellung desdeutschen Geisteslebens seit Luther Ausdruck gab. Die Kritik derreinen Vernunft, heißt es dort, war ein Schwert, womit der Deismushingerichtet wurde. Kant zeigte, daß jenes Idealwesen, welches manbisher Gott nannte, als eine Dichtung aufgefaßt werden müsse, dieentstanden sei durch eine natürliche Illusion. Nach dieser Tragödieaber komme die Farce. Die praktische Vernunft verbürge schließlichdoch den religiösen Glauben, und dadurch werde der Leichnam desDeismus, den die theoretische Vernunft getötet habe, wieder belebt!

Es bliebe also nach Kant im wesentlichen alles beim alten, d. h.beim Deismus als einer typisch intellektualistischen Form der Reli-