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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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halt des Geglaubten kann dann entweder für mehr oder wenigertheoretisch gewiß, d. h. für wahrscheinlich gelten, oder mankommt dazu, die religiöse Wahrheit für p a r a d o x zu erklärenund zu sagen, daß etwas, gerade weil es absurd ist, als glaubhaftbetrachtet werden müsse.

Auf dem Boden solcher Ansichten, die sich im Einzelnen sehr ver-schieden gestalten können, läßt sich eine Religion wie das ursprüng-liche Christentum in ihren irrationalen Bestandteilen, also in demnur ihr eigentümlichen Wesen nie verstehen. Und doch sieht esso aus, als dürften wir diesen Boden nicht verlassen. Wir scheinenhier vor eine Alternative gestellt, die uns zwingt, entweder auf dieeine oder auf die andere Seite zu treten, oder endlich, falls wir dasnicht können, einen Kompromiß zwischen beiden Seiten zu ver-suchen.

Was die beiden Glieder der Alternative dabei bedeuten, istklar. Entweder stimmen Wissen und Glauben inhaltlich überein.Dann ist die Religion zugleich Erkenntnis Gottes. Oder sie stimmennicht überein. Dann ist der Inhalt des Glaubens unwahr, und esbleibt dem religiösen Menschen nichts anderes übrig, als an das Un-wahre, Paradoxe oder Absurde zu glauben. An dieser Alternativehalten bis heute viele in der Weise fest, daß, wenn eine Auflösungdes religiösen Glaubens in Erkenntnis ihnen unmöglich erscheint, sieentweder einen Kompromiß schließen, indem sie sagen, man könneauch an das theoretisch nicht Begründbare als an etwas wenigstensWahrscheinliches glauben, oder daß sie sich zu der Meinung Ter-tullians geführt sehen, etwas sei glaubhaft, gerade weil es logischtöricht ist. Im letzten Fall ergibt sich dann meist noch die Konse-quenz, daß, weil das theoretisch Wertfeindliche oder Antilogische, andas der religiöse Mensch glaubt, den höchsten Wertakzent bekommt,das positiv Logische zugleich in seiner Bedeutung herabgedrücktoder geradezu zum Wertfeindlichen umgedeutet wird. Die theo-retische Erkenntnis stammt dann vom Bösen. Eritis sicut deussientes bonum et malum, sagt nur die Schlange.

Es mag den Vertretern der paradoxen Religiosität nicht immerzum Bewußtsein kommen, daß auch sie Intellektualisten sind. Jaman meint wohl vielfach, mit dem Glauben an das Paradoxe demIntellektualismus entgangen zu sein. Doch das ist eine Täuschung.