sehen mit der Gottheit genommen werden, und auf den objektivenGehalt dessen, was oder woran religiös geglaubt wird, nichtauf den Glauben als seelischen Vorgang kommt es hier an. Sowar es auch bei der Wissenschaft und beim Staat. Nicht das Denkenund das Wollen des Subjekts, sondern der objektive Gehalt der ge-dachten Wahrheit und der gewollten politischen Organisation standin Frage. Es gilt auch jetzt, dem geglaubten Gehalt, gleichviel wieer inhaltlich näher bestimmt wird, seinen besonderen Ort anzuwei-sen, der seiner Eigenart und Selbständigkeit als Ort eines religiösenGehaltes überhaupt entspricht.
Daß der religiöse Glaube vom politischen Wollen seinem Gehaltnach grundsätzlich zu trennen ist, wird sich überall dort von selbstverstehen, wo man überhaupt eine Eigengesetzlichkeit der verschie-denen Kulturgebiete anerkennt und auch nicht verlangt, der Menschhabe sich unter allen Umständen in jeder Hinsicht einer Autorität zuunterwerfen, die ohne Rücksicht auf die Eigenwerte der verschie-denen Kulturgebiete die letzte Entscheidung trifft. Grade dort aber,wo man an einer solchen übergeordneten Autorität nicht festhält,wird man den religiösen Glauben leicht in irgendeine Abhängigkeitvom theoretischen Wissen bringen, und schon dadurch schränkt mandie Autonomie des religiösen Lebens grundsätzlich ein. Wir habendie Probleme, die so entstehen, bereits bei der Darstellung des ur-sprünglichen Christentums berührt. Man sagt, der Mensch könneund dürfe nur glauben, was wahr ist, oder zum mindesten sei es not-wendig, Glauben und Wissen in ein positives Verhältnis zueinanderzu bringen.
Das werden wahrscheinlich auch die meisten religiösenMenschen, falls sie überhaupt über solche Fragen nachdenken, nichtdirekt bestreiten. Ja viele unter ihnen erheben ausdrücklich denAnspruch, daß alles, was sie religiös glauben, zugleich wahr sei. Ver-steht man dann unter Wahrheit aber den theoretischen Wert oderverlangt gar vom Glauben, daß sein Gehalt sich logisch begründenlasse, so kommt eine solche Meinung auf die Bindung des Glaubensan das Wissen heraus, wie die Weltanschauung des Intellektualis-mus sie vollzieht, und zwar geschieht das auch dann, wenn der Ver-such, Glauben und Wissen in Uebereinstimmung miteinander zubringen, sich nur teilweise oder gar nicht durchführen läßt. Der In-