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dann wird man auch das Irrationale auf weiten Gebieten der moder-nen Kultur in seiner eigenartigen Bedeutung philosophisch leicht ver-stehen.
Diese Ausführungen müssen ausreichen, um zu zeigen, inwiefernder Kritizismus für die Probleme des Kulturlebens fruchtbar zu ma-chen ist, die nicht nur außerhalb der intellektuellen, sondern auchaußerhalb der praktisch rationalen Sphäre liegen, und damit könnenwir zugleich den Teil, der sich auf das Verhältnis Kants zur inhalt-lichen Mannigfaltigkeit des modernen Kulturbewußtseins bezieht,zum Abschluß bringen. Wir haben gezeigt, wie in seinem Denkensowohl die intellektuellen als auch die praktisch rationalen, als end-lich auch die völlig irrationalen Faktoren des modernen Kultur-lebens grundsätzlich ihren Platz finden, und das genügt für unserenZweck. In dieser Hinsicht ist Kant moderner als irgend ein Philosophvor ihm und übertrifft die meisten seiner Nachfolger.
Trotzdem bleibt nicht nur seine Ethik einseitig rationalistisch,sondern auch von seiner Religionsphilosophie muß man sagen, daß sieden irrationalen Faktoren nicht gerecht wird, die von dem ursprüng-lichen Christentum in die moderne Kultur eingegangen sind, unddieser Punkt ist für uns besonders wichtig, da wir früher die Religionneben die Wissenschaft und den Staat stellten, um aus dem Verhältnisdieser drei Gebiete zueinander sowohl das Wesen der mittelalter-lichen als auch der modernen Kultur zu bestimmen. Schon aus die-sem Grunde empfiehlt es sich, daß wir auf Kants Religionsphilosophienoch eingehen. Wir werden dann finden, weshalb das, was über siegesagt werden muß, sich nicht damit erschöpft, daß in ihr die irratio-nalen Faktoren des Christentums nicht genügend zur Geltung kom-men. Sie hat nämlich trotzdem für eine Philosophie der modernenKultur eine grundsätzliche Bedeutung. Damit, daß wir auch dasnoch ausdrücklich klarlegen, können wir dann unsere Ausführungenüber Kants Theorie des Atheoretischen zum Abschluß bringen.