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im Prinzip als Kant hier dachte, kann man nicht denken. Das zeigtsich auch daran, daß der weitgehendste Aesthetizismus die Kanti-schen Begriffe für seine Tendenzen benutzen konnte. Ja es ist mög-lich, daß die Theorie, welche das Prinzip: die Kunst für die Kunst,aufgestellt hat, sogar geschichtlich ihren Ursprung in der KantischenAesthetik besitzt.
Von Einzelheiten heben wir noch einen Punkt als besonderswichtig hervor: Kants Lehre vom Genie. Die Bedeutung der ge-nialen Persönlichkeit ist vor Kant oft hervorgehoben worden, undder Irrationalismus des Gefühls gipfelte bisweilen geradezu in einerBegeisterung für den Genius. Kant aber brachte auch hier zumerstenmal begriffliche Klarheit. Weiter, als er hier ging, kann mansich nicht von dem Rationalismus der Aufklärung entfernen, unddoch liegt wieder jeder Gedanke, der zu einer Herabsetzung desVerstandes auf den ihm eigentümlichen Gebieten führen könnte,fern.
Das Genie ist nach Kant, wie man weiß, „das Talent (Naturgabe),welches der Kunst die Regel gibt“. Auch hier also kommt es, wie inder Logik und in der Ethik, auf eine „Regel“ an, und doch ist dieästhetische Regel völlig eigener Art. Sie hat weder mit den theoreti-schen Regeln noch mit den Normen, die sich an das sittliche Bewußt-sein wenden, etwas zu tun. Ja es handelt sich hier um eine Regel-mäßigkeit, die so sehr jeder Rationalisierung entzogen ist, daß siedem Rationalismus als völlige Regellosigkeit gelten konnte.„Bestimmte Regeln“ lassen sich im Gebiet der Kunst in der Tatnicht geben. Regel bedeutet daher im Grund hier nichts anderes alsAusschaltung der individuellen Willkür, zugleich aber gar nicht Ver-allgemeinerung durch Ausschaltung auch der Individualität. ImGegenteil, auf „Originalität“ kommt alles an, und das Genie ist da-her nur als Individuum zu denken. Aber es muß zugleich, da es auch„originalen Unsinn“ gibt, ein Individuum sein, das „exemplarisch“ist, d. h. durch seine Individualität vorbildliche und insofern regel-gebende Bedeutung gewinnt. Kant selbst hebt hervor, daß seineBestimmung des Genies mit dem Sinn des Wortes Genius als „demeigentümlichen, einem Menschen bei der Geburt mitgegebenenschützenden und leitenden Geist, von dessen Eingebung die origi-nalen Ideen herrühren“, übereinstimmt.