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sprünglichkeit zu verstehen gesucht haben, die sittlichen Anschau-ungen in Europa entscheidend beeinflußt hat. Schon früher wurdegezeigt, wie sie sich von aller rationalen Ethik unterscheidet. Wodie christliche Liebe sich geltend macht, muß zugleich ein irrationa-ler Faktor maßgebend sein, und wir können die Liebe aus dem Sinndes praktischen oder tätigen Lebens gewiß nicht ausschließen wollen.Daher vermag eine nur rationalistische Ethik wie die Kants dastätige Leben niemals erschöpfend zu würdigen. Völlig irrationale,aus dem Christentum stammende Momente sind in ihm unter Um-ständen geradezu entscheidend.
Hält man das für richtig, so wird man die ethischen PrinzipienKants allerdings unzureichend finden und sich besonders weigern,den Satz anzuerkennen: „Es ist überall nichts in der Welt, ja auchüberhaupt außerhalb derselben zu denken möglich, was ohne Ein-schränkung für gut könnte gehalten werden als allein ein guter Wille“.Dieser ausschließende Begriff des Guten erscheint dann zu eng,denn Kant nennt sittlich gut das, „was vermittelst der Vernunft durchden bloßen Begriff gefällt“, und erklärt ausdrücklich, „um etwas gutzu finden, muß ich jederzeit wissen, was der Gegenstand für ein Dingsein soll, d. h. einen Begriff von demselben haben“. Ein so bestimm-ter „guter“ Wille, von dem ein begriffliches Moment unablösbar ist,weiß nichts von jener „besseren Gerechtigkeit“, von der beim Chri-stentum die Rede war, und muß auf Widerspruch stoßen, insoferndurch ihn der Inhalt des sittlichen Lebens zu vernünftig oder zu ratio-nal, weil zu sehr von Begriffen bestimmt erscheint. Der Christ hältgerade ein begriffsfreies und irrationales Liebeswollen auch für sitt-lich „gut“ ohne jede Einschränkung.
So sehen wir uns, nachdem das Verhältnis des Kritizismus zu denpraktisch rationalen Bestandteilen der modernen Kultur im Prinzipklargestellt ist, vor eine neue Frage geführt: was bedeutet der Kriti-zismus für das Problem des Irrationalen im modernen Kul-turleben ? Ist bei Kant auch hierfür Platz ?
Was zunächst die Ethik anbetrifft, so brauchen wir in diesem Zu-sammenhang nicht auf die Frage einzugehen, ob es sich empfiehlt, ineiner Philosophie, welche die verschiedenen Wertgebiete in ihrerEigenart charakterisieren will, gerade denBegriff des„Ethischen“inder angedeuteten irrationalistischen Richtung zu erweitern und dann
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