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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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an. Lediglich das ist wichtig, ob es bei Kant allgemeine philosophischePrinzipien gibt, die gestatten, die atheoretischen Gebiete derKultur auch inhaltlich in ihrer Selbständigkeit zu verstehen, undfür das politische Leben, dem wir uns zunächst zuwenden, bedeutetdas: enthält der Kritizismus grundsätzlich Gedanken, von denen ausman zu einer Philosophie des Staates gelangen kann, die seinem Ei-genwesen und seinem Eigenwert auch in der von Rom beeinflußtenmodernen Kulturwelt entspricht?

Solange wir, um hierüber zur Klarheit zu gelangen, nur auf denobjektiven Gehalt des römischen Staates achten und ihn mit demobjektiven Gehalt, den Kants Staatsbegriff zeigt, vergleichen, scheintdas, was beide voneinander scheidet, größer als das, was beiden ge-meinsam ist. Es bleibt dann nicht viel mehr als ein Begriff vonGe-rechtigkeit übrig, der, falls er sowohl auf den römischen als auchauf den Kantischen Staat angewendet werden soll, einen sehr allge-meinen und insofern sehr unbestimmten Inhalt bekommt. Wieweitdie Gemeinsamkeit und damit die inhaltlich noch greifbare Be-stimmtheit eines solchen Gerechtigkeitsbegriffes geht, wäre nurdurch eine eingehende geschichtliche Untersuchung zu zeigen. Wirkönnen sie entbehren, denn es bleibt auch abgesehen von dem, wasdabei herauskäme, genug übrig, das uns berechtigt zu sagen: mitRücksicht auf das Staatsleben geht Kant im Prinzip, ebenso wie mitRücksicht auf die Wissenschaft, Wege, die eine Philosophie der mo-dernen Kultur gehen muß, denn er bringt es in einer Sphäre unter,deren Eigenart und Eigenwert weit von aller Theorie und intellek-tuellen Bestimmtheit abliegt.

Wegen der Unbestimmtheit des objektiven Gehalts stellen wir,um das klar zu machen, das Subjekt voran, das zum Staate Stellungnimmt. Wir wissen, inwiefern es als der wollende und handelndeMensch zu betrachten ist, und wie sein Leben objektiven politischenGehalt dadurch bekommt, daß er sich einer Gemeinschaft ein-ordnet oder ihre Zwecke zu den seinigen macht. Der politische Willeist mit anderen Worten notwendig irgendwie sozial bestimmt, undden Wert der societas, zu der das einzelne Individuum gehört, hat da-her jede moderne Staatslehre als Eigenwert zu verstehen. Sonstkommt die Selbständigkeit und Autonomie des politischen Lebensauf keinen Fall so zur Geltung, wie es dem modernen Kulturbewußt-