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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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verbietet die Meinung, man könnte das übersinnliche, von ihm imAnschluß an die zerstörte Tradition nochintelligibel genannteWesen der Welt mit dem reinen Denken erfassen und deshalb dasAll dem gedachten All oder die Ontologie der Logik gleichsetzen.

Weiter brauchen wir auf dasPrinzip für das Vorstellungs-oder Erkenntnisvermögen nicht einzugehen. Es galt nur, das schonBekannte in dem neuen Zusammenhang noch einmal hervorzuheben.

Wir wenden uns jetzt zu den atheoretischen Gebieten, die aus-führlicher zu behandeln sind, und da wir von einem übergreifendenBand absehen, ist die Reihenfolge gleichgültig. Es empfiehlt sich,zunächst dasProdukt ins Auge zu fassen, das Kant alsSittenbezeichnet, ohne jedoch von derAnwendungauf die Freiheit dabeizu reden, da dies Problem für eine Philosophie der Kultur nicht imVordergründe steht. Das Prinzip a priori heißt die Verbindlichkeitund in einer anderen Fassung der Endzweck. Es handelt sich alsohier um ein viel weiteres Gebiet als das des Staatslebens, und schondeshalb liegt für unsere kultur- und geschichtsphilosophische Pro-blemstellung die Sache nicht so einfach wie bei der Wissenschaft.Es muß erst ausdrücklich klargestellt werden, in welchem Verhält-nis dieser Teil der Kantischen Philosophie und die Eigenart derPrinzipien, die ihm zugrunde liegen, zu jenen Kulturgebilden stehen,welche die Römer herausgearbeitet haben, und die von ihnen in diemoderne Kultur übergegangen sind, um in ihr lebendig zu bleiben.

Von vornelierein bemerken wir bei dieser Erörterung, daß es un-möglich sein dürfte, der Kantischen Philosophie ohne weiteres einewissenschaftliche Politik zu entnehmen, die auch nur mit Rücksichtauf das Grundprinzip des modernen Staates in jeder Hinsicht be-friedigend genannt werden kann, und das gilt für die gesamteatheoretische Kultur: nicht mehr als Ansätze für ihr philosophi-sches Verständnis sind aus dem Kritizismus, wie er als historischesGebilde vorliegt, zu entnehmen. In Einzelheiten bleibt Kant viel-fach noch in Tendenzen der Aufklärungszeit befangen, und oftmuß man versuchen, ihn besser zu verstehen, als er sich selbst ver-stand. Die Ausführung des Details ist, was bei einem Blick auf seineEntwicklung nicht auffallen sollte, zum großen Teil völligunmo-dern in unserem Sinne. Aber auf ein Mehr oder Weniger an mo-dernen Bestandteilen kommt es für unseren Zusammenhang nicht